CSWA, CSWP, CSWE – Die SolidWorks-Zertifizierung im Selbstversuch – Teil 3 1

Teil 3 – Was sind CSWA und CSWP wert – der Selbstversuch

Was sind die Zertifikate nun wert? Die genannten Zahlen zeigen es schon: Der weitaus überwiegende Teil der SolidWorks-Anwender ist nicht zertifiziert, was nicht heißt, dass die entsprechenden Fähigkeiten nicht vorhanden wären, sondern dass man eben nicht unbedingt für jede Tätigkeit, die man im Arbeitsleben erwirbt, gleich eine Prüfung ablegt. Nichtsdestotrotz ist ein solches Zertifikat der beweisbare, schriftliche Nachweis eines bestimmten Know-how-Niveaus, der bei Arbeitgeberwechseln oder beim Berufseinstieg sicher hilfreich sein kann.

Zum Wert eines solchen Zertifikats gehört natürlich ein entsprechender Schwierigkeitsgrad und Umfang der Prüfungen – ein Zertifikat, das zu einfach zu erwerben ist, entwertet sich selbst Als zwar erfahrener Computeranwender mit fast 20 Jahren tiefen Einblicks in die CAD-Branche, der aber in seinem alltäglichen Leben eben nicht ernsthaft mit CAD-Systemen arbeitet, bin ich vielleicht nicht der typische Anwärter für CSWA oder CSWP – eine Meinung zu den Tests konnte ich mir trotzdem bilden.

Für das Abarbeiten der Fragen beim CSWA hat der Prüfling drei Stunden Zeit. Es beginnt mit einer Modellieraufgabe, das Grundmodell wird mehrmals geändert, wobei der Schwierigkeitsgrad der Änderung mit jeder Frage steigt. Es ist also wichtig, schon von Beginn an das Modell sauber aufzubauen. Im zweiten Teil wird eine Baugruppe aus bereitgestellten Modellen zusammengesetzt, wobei die Zwangsbedingungen der Teile untereinander stimmen müssen, denn in der zweiten Frage wird der enthaltene Kolben im Zylinder verfahren, wobei sich das Hebelwerk richtig bewegen lassen muss. Eine weitere Kinematikaufgabe, ein Rad, bei dem es auf das richtige Arbeiten mit Mustern ankommt, sowie Multiple Choice-Fragen zur Zeichnungserstellung runden den Fragenkatalog ab. Ich war nach etwa zwei Stunden fertig, hatte mich allerdings mit der Zeichnungserstellung kaum beschäftigt, so dass mir die entsprechenden Punkte verlorengingen. Zum Bestehen reichte die Punktzahl jedoch bei weitem aus.

Mein Eindruck: Zum Bestehen des CSWA-Tests ist ein grundlegendes Wissen erforderlich, wobei man schon die gesamte Palette der Modelliertechniken und die Parametrisierung verstanden haben sollte. Die Zeit ist jedoch so ausreichend, dass nicht allzu viel Arbeitsroutine benötigt wird – ideal also für Personen wie mich, die die Funktionalität erlernt, aber wenig Praxiserfahrung mit dem System haben.

Ganz anders sieht dies beim CSWP aus, Zeit ist der bestimmende Faktor. Der CSWP-Test besteht aus drei Teilen, die man innerhalb eines Jahres bestehen muss, um den Titel zu erhalten. Jeder Teil kann beliebig oft wiederholt werden – wobei jeder Testdurchlauf aufs Neue Kosten verursacht.

Segment 1 prüft die Modellierfähigkeiten, in 90 Minuten müssen mehrere Modelle erstellt, mit Gleichungen gesteuert und geändert werden. Segment 2 dauert 40 Minuten und dreht sich um Konfigurationen, Teil 3 mit 80 Minuten prüft erweitertes Baugruppen-Know-how inklusive Kollisionsprüfung, Ersetzen eines Teils, Analysierten von Massenträgheiten in einem selbsterstellten Koordinatensystem

Interessanterweise stellte für mich der erste Teil die größte Herausforderung dar. Die anderen Teile bestand ich auf den ersten Versuch, während ich den ersten Teil erst beim dritten Durchlauf bestand. Es zeigte sich sehr deutlich, dass mir die Praxis fehlt und damit die Fähigkeit, ein Modell schnell zu erfassen und ebenso schnell eine Aufbaustrategie zu finden. Das Modell, das auf den ersten Blick sehr einfach aussieht, besitzt einige „Gemeinheiten“, die einen ganz bestimmten Aufbau erfordern, für einen zweiten Aufbau ist keine Zeit. So benötigte ich anfangs viel zu lange, um das Grundmodell zu erstellen und mir ging „nach hinten raus“ die Zeit aus. Die Fähigkeiten waren vorhanden, aber die Geschwindigkeit fehlte – somit erfüllt der CSWP-Test seinen Anspruch, routinierte „Professionals“ zu repräsentieren, voll seinen Anspruch.

Interessant am Rande: Ich hatte beim dritten Versuch meiner Meinung nach genug Punkte gesammelt, um zu bestehen, der Virtual Tester bewertete den Test jedoch als nicht bestanden. Ich hatte offensichtlich in der letzten Aufgabe, die ich zeitlich schaffte, einen Fehler bei der Eingabe des Werts gemacht. die insgesamt vorletzte Frage konnte ich nicht beantworten, weil quasi beim Eintippen der Lösung die Zeit ablief. Ich hatte das Modell jedoch komplett durchkonstruiert und sandte die Part-Datei an meinen Betreuer bei SolidWorks, Certification Specialist Mike Puckett. Dieser erteilte mir das Zertifikat, nachdem er sich vergewissert hatte, dass das Modell genau den Anforderungen entsprach, wie er mich per Mail wissen ließ:

„I looked at your part, and if you had entered the value for question 5 according to what your model is, you would have been correct and earned an additional 25 points.  That would have given you a total of 95 points.  You only need 85 to pass the segment, so I’m going to go ahead and award you the points since you created the model correctly.  We manually grade models like this from time to time and have no issue awarding the points.  We want to see how a person creates a model, and by manually grading it, we can.“

“I saw that you had used equations, your extrudes had end conditions set up, and your sketches had fillets in them.  Those are all signs of good modeling practices, so that’s another reason I had no issue awarding you the points.”

“Believe me I didn’t give you any special breaks at passing, you earned the certificate”

Er sagte auch noch, dass die letzte Aufgabe relative einfach gewesen wäre, so dass ich diese auch geschafft hätte, wenn die Zeit gereicht hätte.

Es zeigt sich, dass SolidWorks seine Tests und deren Schwierigkeitsgrad in Bezug auf Wissen, Erfahrung und Anwendung der Funktionalität sehr genau an den Anspruch des jeweiligen Tests angepasst hat. Der CSWA prüft Wissen ohne allzu großen Zeitdruck. Der CSWP ist ohne Praxis und die konsequente Anwendung jedmöglicher Effizienzfeatures wie Gleichungen oder flexible Endkonditionen (Extrudieren bis zu einer bestimmten Fläche statt Eingabe eines Tiefenwerts, der bei einer Änderung manuell nachgeführt werden muss) nicht zu schaffen.

Den Versuch, zum CSWE zu werden, werde ich mir jedenfalls ersparen.

 

Dreiteilige Artikelserie:

Teil 1 – Müssen CAD-Journalisten CAD-Systeme bedienen können?

Teil 2 – das SolidWorks-Zertifizierungssystem

Teil 3 – Was sind CSWA und CSWP wert – ein Selbstversuch

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