3D-Druck im FAZ-Feuilleton – muss das so schiefgehen? 1

Wenn jemand Physik studiert hat, sollte man annehmen, dass er ein Grundverständnis von Technik hat – jedenfalls soweit, dass er Technologien wie CAD, CAM oder auch 3D-Druck wenigstens in Grundzügen verstanden hat oder wenigstens grob weiß, was dahintersteht.

Werkzeug: Der Cube. Bild: 3D Systems

Werkzeug: Der Cube. Bild: 3D Systems

Den Gegenbeweis führt Dietmar Dath eindrucksvoll in einem Feuilleton-Beitrag auf FAZ.net. Ein Zitat:

Ein weniger avantgardistisches, eher lebens- und vor allem berufsweltlich organisiertes Phänomen im Umkreis dieser Neukonfiguration des Technischen überhaupt ist das inzwischen nahezu alle Bereiche der Güterproduktion umfassende Paradigma CAD/CAM, also Computer Aided Design und Computer Aided Manufacturing: Maschinen sagen Maschinen, welche Maschinen sie auf welche Weise bauen sollen. Wer die besten Kombinationen und Werkbeziehungen herausfindet, um sich mit ihrer Hilfe die Arbeit derjenigen Menschen anzueignen, die in der Produktion nach wie vor gebraucht werden, gewinnt: ein Lego-Neo-Monopoly, zu dem die 3D-Drucker-Euphorie den Einfall vorbringt, es käme dabei demnächst eine Art „Gewinnausschüttung für alle“, eine soziale Breitendividende heraus.

Den aktuellen Stand der 3D-Drucktechnologie beschreibt Herr Dath wie folgt:

Was sich davon im Augenblick schon bemerkbar macht, befindet sich in einem eher putzigen Stadium. Wenn „Business Life“, das Wirtschaftsmagazin der British Airways, eine 3D-Drucker-Firma fürs Titelbild seiner letzten Ausgabe im Jahr 2012 aus weißem Kunststoff die Zahl „2013“ als kleine Skulptur herstellen lässt, um damit in Gershenfelds Horn zu tuten, weil das eben begonnene Jahr das des 3D-Druckers werden soll, denkt man weniger an eine Offenbarung als an Kinder, die selbstgebastelte Aschenbecher aus Fimo-Knete im Herd brennen, oder an Konditoren, die Mozartbüsten aus Marzipan kreieren.

Das beweist, dass der Mann tatsächlich keine Ahnung hat vom Thema. So wie es bei CAD/CAM nicht darum geht, Menschen durch Maschinen zu versklaven, sowenig ist der 3D-Druck auf dem Stand knetender Kinder. CAD/CAM und 3D-Druck sind keine finsteren Versklaver, sondern Werkzeuge, die in einem weiten Kontext ebenso zum Guten wie zum Schlechten des Menschen genutzt werden können – wie ein Messer oder ein Hammer.

Warum dieser Furor, der den gesamten Artikel durchzieht, wenn es doch in Wirklichkeit nur um wertfreie Werkzeuge geht? Zum einen biegt sich der Autor die Welt so zurecht, dass sie seiner Weltsicht entspricht (wenn die Informationen seines Wikipedia-Eintrags stimmen). Zum anderen verkämpft er sich aber auch in einer Argumentation, die sich im letzten Herbst in den USA entwickelt hat. Dort entstand mit der Vorstellung von Cube und Replicator ein Hype um den 3D-Druck, der eine ganze Reihe selbsternannter Zukunftsforscher und Experten auf den Plan rief. Diese sehen in 3D-Druckern eine Gegenbewegung zu großen Produktionsstätten, der Mensch muss in dieser Argumentation seine Produkte nicht mehr von finsteren Großkonzernen beziehen, sondern fertigt sie auf seinem 3D-Drucker selbst. Unter anderen wurde von 3D-Druckern, die Möbel und Häuser ausdrucken, fantasiert.

Natürlich dreht Dath diese an sich schon überdrehte Argumentation eine Umdrehung weiter und landet wieder bei Maschinen, die Menschen versklaven, dann eben bei kleinen Druckern statt großen Produktionsstätten.

Natürlich endet der Artikel im üblichen Technikpessimismus:

Darauf, dass es auch diesmal, wie bei allen bekannten Runden vorheriger Spielversionen, Verlierer geben wird, sollte man sich einstellen.

Man kann es nicht oft genug wiederholen: Werkzeuge sind (üblicherweise) moralisch indifferent, sie sind nicht in sich gut oder böse. Der Mensch, der sie benutzt, entscheidet sich für einen „guten“ oder „schlechten“ Einsatzzweck, den er mit diesem Werkzeug durchführt. Das Messer kann Menschen töten, aber auch – in Form eines Skalpells – heilen. Die philosophische Deutung von Technologien führt immer in die Irre. Wie übrigens auch die Nutzung technischer Terminologie in pseudowissenschaftlichen Zusammenhängen von der Astrologie bis hin zur Esoterik – Vermischung von Äpfeln und Birnen funktioniert nie*.

 

*außer bei Obstler :-)

One comment on “3D-Druck im FAZ-Feuilleton – muss das so schiefgehen?

  1. Reply R. Mattern Feb 11,2013 10:01

    Schade, dass eine so interresante und innovative Technik völlig grundlos in ein negatives Licht gerückt wird.

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