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Dell Precision 5510: Vollgestopfte Flunder

Im Oktober stellte Dell seine neue Precision-Workstation-Palette vor, darüber habe ich hier geschrieben. Dabei stellte das Unternehmen auch seine Klassifizierung der Workstations vor, die Precision 5510 ist also der Nachfolger der M3800. Wie der Vorgänger ist auch die Precision 5510 eine Workstation im Ultrabook-Format. Nun hatte ich Gelegenheit, einige Tage mit der 5510 zu verbringen.

Der rahmenlose Bildschirm der Dell Precision 5510 ist ein Hingucker (Bild: Dell).
Der rahmenlose Bildschirm der Dell Precision 5510 ist ein Hingucker (Bild: Dell).

Von außen sieht die Precision 5510 sehr schön aus, Boden und Deckel bestehen jeweils aus einem massiven Alublech beziehungsweise -teil, die massiv zur Stabilität des Gesamtsystems beitragen. Ich gehe davon aus, dass dieser Aufbau auch im rauen Alltag bewährt, da alle Ecken und Kanten aus massivem Aluminium bestehen, es kann sich also keine Farbe oder Gummierung abreiben. Das Gehäuse steigt von vorn nach hinten an, was den extrem dünnen Eindruck verstärkt. Der höchste Punkt des Notebooks liegt bei 23 Millimeter, wenn es geschlossen auf dem Tisch liegt. In der Hand oder einer Tasche sind es nur noch 18 Millimeter, die restlichen 5 Millimeter gehen auf das Konto der beiden quer durchgehenden Standfüße, die es dem Precision 5510 ermöglichen, unten Kühlluft anzusaugen. Gleichzeitig scheint das Notebook über dem Tisch zu schweben und wirkt dadurch noch dünner als es schon ist.

Ausgefeilte Kühlung bei der Dell Precision 5510

Sehr gelungen finde ich auch den Kühlluftauslass: Dieser zieht sich zwischen den Displayscharnieren über die gesamte Breite des Geräts. Die heiße Luft wird bei offenem Gerät am Display entlang nach oben geleitet, bei geschlossenem Betrieb, beispielsweise an der Dockingstation, entweicht die Abluft nach hinten unten. So wird nirgends ein unangenehm warmer Luftstrom seitlich ausgeblasen, die Schlitze sind auch nicht direkt sichtbar, was zum „cleanen“ Aussehen des Geräts beiträgt.

Größenvergleich (von unten): HP ZBook Studio, Dell Precision 5510 und ZBook 14.
Größenvergleich (von unten): HP ZBook Studio, Dell Precision 5510 und ZBook 14.

Die ausgefeilte Kühlung ist auch notwendig, in dem flachen Gehäuse verbaut Dell Quadcore-Prozessoren wie den Intel Core Xeon E3-1505M v5, den i7-6820HQ oder den i5-6300HQ. Auch die restliche Ausstattung ist erstklassig: bis zu 32GByte RAM mit 2133 MHz, eine Nvidia Qadro M1000M-Grafikeinheit mit 2 GByte Arbeitsspeicher sowie die interne Prozessorgrafik der Intel-Chips für weniger grafiklastige Aufgaben.

Dell behauptete bei der Vorstellung des Geräts, ein 15,5-Zoll-Display in ein 14-Zoll-Chassis gezwängt zu haben, und damit nicht unrecht. Ich habe derzeit die HP ZBooks 14 und Studio hier und die Dell Precision ist in der Tiefe gleich groß wie das 14-Zoll-ZBook, seitlich ragt die 5510 17 Millimeter über das kleine Gerät hinaus. Das ebenfalls mit 15,6-Zoll-Display ausgestattete ZBook Studio ist weitere 17 Millimeter breiter und 20 Millimeter tiefer.

Der geringe Größenunterschied zwischen dem 14-Zöller und dem 15,6-Zoll-Dell-Ultrabook ist verblüffend.
Der geringe Größenunterschied zwischen dem 14-Zöller oben  und dem silbernen 15,6-Zoll-Dell-Ultrabook ist verblüffend.

Der „Hingucker“ in mehrfacher Hinsicht ist der Bildschirm: Klappt man das Notebook auf, ist der Deckel innen komplett mit einer rahmenlosen Glasscheibe abgedeckt. Unter dieser Glasscheibe aus Gorillaglas findet sich ein 15,6-Zoll-Display, das fast bis an den Rand des Deckels reicht. Das Testgerät war mit einem Touch-Monitor mit 4k-Auflösung (3840 x 2160 Pixel) ausgestattet. Im ersten Artikel war von einer „antireflexiv beschichteten Touchversion“ die Rede, man kann sich jedoch trotzdem sehr gut im abgeschalteten Display betrachten. Bei angeschaltetem Display war der Effekt zumindest unter Bürobedingungen tatsächlich so schwach, dass er nicht störte. Wer mit weißem Hemd im Biergarten arbeiten möchte, sollte vor dem Kauf testen, ob die Entspiegelung genügt.

Schaltet man das Notebook an, fällt sofort der satte Farbeindruck auf – tatsächlich handelt es sich um ein UltraSharp-Display, das den Adobe-Farbraum komplett abdeckt und sich damit beispielsweise auch für die Bildbearbeitung eignet. Über den Nutzen eines derart hochauflösenden 4k-Displays in 15,6 Zoll Diagonale lässt sich trefflich streiten, ich musste die Textgröße in der Windows-Anzeigeeinstellung auf 200% setzen, um vernünftig arbeiten zu können – wobei die Schärfe der winzigen Buchstaben in der 100%-Einstellung wirklich beeindruckend ist. Die Auflösung hat jedoch auch Vorteile, CAD-Modelle mit kleinsten Features werden extrem scharf und detailliert dargestellt. Große Modelle lassen sich auch in starker Verkleinerung betrachten, ohne dass die Details „absaufen“ und die Funktion nicht mehr erkennbar ist.

Beim Anschluss externer, großer Monitore ist dann allerdings die Schrifteinstellung viel zu groß. Da die Änderung der Skalierung zwingend mit einem Ab- und Anmelden des Benutzers verbunden ist, ist das relativ unkomfortabel, wenn man das Notebook viel im Wechsel zwischen stationärem Betrieb an externen Monitoren und mobiler Nutzung einsetzt. Diese Einschränkung gilt jedoch für alle modernen Notebooks mit hochauflösenden Displays und ist keine Dell-exklusive Thematik.

Powerhouse für anspruchsvolle Anwender

Sehr gut ist der Performance Advisor, der für viele Applikationen optimale Einstellungen und Ausstattungen vorschlägt und die Treiber aktuell hält.
Sehr gut ist der Performance Advisor, der für viele Applikationen optimale Einstellungen und Ausstattungen vorschlägt und die Treiber aktuell hält.

Positiv sind die Ausstattungsoptionen in Bezug auf den Festplattenspeicher zu bewerten. Die Precision 5510 besitzt einen Steckplatz für M.2 PCIe NVM-Kärtchen sowie einen Einbauplatz für 2,5-Zoll-Festplatten. Man kann so beispielsweise eine 256 GByte-SSD-Karte für Betriebssystem und Programme einbauen, kombiniert mit einer Terabyte-Magnetplatte für die Daten.

Die Ethernet-Buchse wurde aus Platzgründen weggelassen, dafür liegt ein Adapter von USB-C auf Ethernet bei. Ansonsten finden sich zwei USB-3-Buchsen, HDMI, ein Thunderbolt-3-Anschluss sowie ein SD-Card-Reader an den Seiten des Notebook. Webcam, WLAN, Bluetooth und NFC vervollständigen die Kommunikationsmöglichkeiten. Die USB-Buchsen stehen auch bei abgeschaltetem Notebook unter Strom, so lassen sich beispielsweise Handys über Nacht laden. Sehr praktisch ist dabei die Dell-Funktion PowerShare, mit der sich im BIOS einstellen lässt, bei welchem Akkustand des Notebooks die Ladefunktion abgeschaltet wird. Das Smartphone kann also das Notebook nicht leersaugen.

Die beleuchtete Tastatur ist in ein Kohlefaser-Cover eingelassen und lässt sich angenehm bedienen, das große Touchfeld, das insgesamt nach unten gedrückt werden kann, um einen Mausklick auszulösen, ist schön, aber etwas Geschmackssache – die Maustasten wurden im Gegenzug eingespart. Das Netzteil ist angenehm flach, im Gegensatz zu manchem Powerklotz, der bei anderen Geräten mitgeliefert werden.

Mit der Precision 5510 bietet Dell eine schicke, flache und trotzdem leistungsstarke Workstation an, die für den CAD-Einsatz wie geschaffen ist: Großer, scharfer Bildschirm, je nach Ausstattung sehr viel Speicherplatz und Power ohne Ende mit Vierkernprozessoren, viel RAM und Quadro M1000M-Grafik, die immerhin im Leistungsspektrum der 2x00er Desktopkarten liegt. Vollgestopft mit feinen Zutaten, wie schon der Titel sagt.

1 Comment

  1. Pingback:HP ZBook Studio: Hohe Leistungsdichte, elegante Verpackung

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