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Arbeitstier: Mobile Workstation Lenovo W540

Die Thinkpad-Notebooks waren noch nie für aufsehenerregendes Design bekannt, hatten aber immer den Ruf, extrem solide Arbeitsmaschinen zu sein. Das Thinkpad W540 mit AMD-Grafikkarte macht da keine Ausnahme. Im Test erwies sich die Workstation als eben das: Ein zuverlässiges, kraftvolles Arbeitsgerät.

Zum Glück auch noch mit Windows 7 erhältlich: Das Thinkpad W540.
Zum Glück auch noch mit Windows 7 erhältlich: Das Thinkpad W540.

Seit Lenovo 2004 die PC-Sparte von IBM übernahm, sind die ursprünglich von IBM entwickelten Thinkpads Teil des Lenovo-Produktportfolios. Ziel der Thinkpad-Reihe waren immer Geschäftskunden, die mehr Wert auf Robustheit, lange Lebensdauer und einfache Reparatur legten als auf ein besonderes Design oder extrem kleine Abmessungen – was nicht heißt, dass es keine Ultrabooks in der Thinkpad-Reihe gäbe. Die W-Baureihe ist jedenfalls im typisch mattschwarz-kantigen Thinkpad-Design gehalten; das „W“ steht für Workstation und weist auf die CAD-zertifizierte, leistungsstarke Grafikkarte hin, die diese Modelle bieten.

Im Fall des Thinkpad W540 handelt es sich um die Nvidia-Mobilkarte K2100M, deren Leistung knapp an die Werte der Desktop-Karte K2000 heranreicht. An Prozessoren steht eine ganze Reihe von Intel Core i5- und i7-Prozessoren zur Auswahl, die Spitzenposition hat der i7-4930MX mit bis zu 3,9GHz Takt und vier Kernen. Das Testgerät war mit einem i5-4330M ausgestattet, einem Zweikerner mit bis zu 3,5GHz Takt – wiederum eine solide Auswahl für die Nutzung als CAD-Workstation, wo mehr Kerne in den meisten Situationen keinen Vorteile bringen. Immerhin bietet dieser Prozessor Hyperthreading, was den zwei physikalischen Kernen zwei weitere, virtuelle Kerne zur Seite stellt. Ungewöhnlich für Notebooks ist das Vorhandensein eines Prozessorsockels im W540, üblicherweise sind die Prozessoren direkt auf das Motherboard gelötet, was eine Aufrüstung oder den Ersatz einer defekten CPU unmöglich macht.

Unten offen: Die von außen erreichbaren Steckplätze des W540
Unten offen: Die von außen erreichbaren Steckplätze des W540

Der maximale Ausbau des Arbeitsspeichers beträgt bei den Vierkernmodellen 32GByte in vier Steckplätzen, bei den Zweikernern sind nur zwei RAM-Steckplätze nutzbar, entsprechend lassen sich „nur“ 16GByte einbauen.

Der Prozessor beinhaltet die Grafikeinheit HD 4600, die per Optimus-Treiber bei weniger grafiklastigen Aufgaben die Bildausgabe übernimmt. Der Optimus-Treiber erkennt, wenn beispielsweise CAD-Software viel Grafikleistung benötigt, und schaltet auf den Nvidia-Grafikchip um. Checkt der Nutzer seine E-Mails oder surft er im Web, ist die Haswell-Grafik aktiv. Sobald die Anzahl der DirectX-, OpenGL- oder CUDA-Aufrufe eine bestimmte Schwelle überschreitet, schaltet der Optimus-Treiber die Quadro-Karte hinzu. Diese schreibt ihre Bildinhalte in den Speicher der integrierten Grafik, von wo sie auf den Bildschirm gehen. Dies ermöglicht ein Umschalten zwischen den Grafikkarten ohne das in früheren Implementierungen auftauchende Bildschirmflackern.

Im Boden des W540 befinden sich zwei herausnehmbare Klappen, die mit Schrauben, aber auch mit Haken gesichert sind und sich nur mit einem etwas unguten Gefühl entfernen lassen. Unter der kleineren Klappe finden sich zwei M.2-Sata-Steckplätze, deren einer von einer Intel-WLAN/Bluetooth-Karte belegt ist. In den zweiten Steckplatz lassen sich eine Mobilfunkkarte – für die schon Antennenkabel bereitliegen – oder eine SSD-Festplatte einbauen. Bei diesen besteht allerdings wie beim ZBook 14 bis jetzt das Problem, dass sie in der kurzen Bauform mit 42mm Länge nicht verfügbar sind. Das soll sich in der Jahresmitte ändern.

Seltsames Piktogramm: Ist das die Öffnung zum Schmieren der Tastatur?
Seltsames Piktogramm: Ist das die Öffnung zum Schmieren der Tastatur?

Unter der anderen Klappe finden sich die vier RAM-Steckplätze und die Festplatte. Im Testmodell war eine 500GByte-Festplatte verbaut, was sich nach mehreren Notebook-Tests mit SSD-ausgestatteten Notebooks in gefühlt langer Bootzeit äußert. Das ist allerdings ein sehr subjektiver Eindruck, das Thinkpad W540 startet so schnell wie andere Geräte mit Magnetplatten auch. Sind kurze M.2-SSD-Platten verfügbar, spricht zudem nichts dagegen, Betriebssystem und Programme auf die SSD zu verlagern und die Magnetplatte lediglich zum Speichern von Daten zu verwenden.

Die Ausstattung mit Schnittstellen ist wiederum als solide zu bezeichnen, alles, was man benötigt, ist vorhanden: Zwei USB 2.0-Buchsen, von denen eine auch im ausgeschalteten Zustand Strom führt, zwei USB 3.0-Anschlüsse, Thunderbolt, Ethernet, VGA, Cardreader und ein kombinierter Audioport sind vorhanden. Leider kaum mehr zu finden ist der Expresscard-Slot, der im Thinkpad W540 das Nachrüsten weiterer Schnittstellen ermöglicht. Rechts ist ein DVD-Brenner integriert, der sich in einem Multibay-Schacht befindet, also auch gegen eine zweie Festplatte austauschen lässt. Dies erfordert allerdings das Entfernen einer Schraube unter dem großen Bodendeckel, ist also nicht im Betrieb möglich wie beispielsweise bei den Fujitsu-Lifebooks.

Endlich einmal eine richtig gute Notebook-Tastatur.
Endlich einmal eine richtig gute Notebook-Tastatur.

Ein Highlight des W540 ist die Tastatur. Die Tasten sind groß und haben einen sehr angenehmen Anschlag. Die in anderen Notebook-Tastaturen oft sträflich vernachlässigten Pfeiltasten ragen etwas nach unten aus dem Tastenblock hervor und haben deshalb eine angenehme Größe. Ein kompletter Ziffernblock vervollständigt die Tastatur. Eine kleine, gute Idee ist die Belegung der F-Tastenreihe: Üblicherweise sind die Tasten mit F1 bis F12 belegt, und die Notebooktypischen Funktionen, beispielsweise zur Lautstärkeregelung oder zum Einschalten des WLAN, sind nach dem Drücken einer Fn-Taste erreichbar. Dies hat Lenovo umgekehrt: Die – meist öfter benötigten – Hardwaretasten liegen auf der oberen Ebene, die F1- bis F12-Funktionen werden mit Fn angewählt. Praktisch: LEDs in den Tasten zeigen den Status der Fn-Taste und der Tasten für das Abschalten von Lautsprecher und Mikrofon.

Einen zwiespältigen Eindruck hinterließ das Touchpad: Maustasten sind nicht vorhanden, ähnlich wie beim Dell M3800 ist das gesamte Touchpad als Taste ausgebildet, ein Herunterdrücken des Touchpads löst einen linken Mausklick aus – ich finde das sehr gewöhnungsbedürftig, vor allem löst das Touchpad damit nur Man versucht unwillkürlich, den rechten Strich oben am Touchpad zu drücken, um einen rechten Mausklick zu erhalten, was jedoch nicht gelingt. Erst zufällig fand ich heraus, dass ein Herunterdrücken des rechten unteren Viertels den gewünschten rechten Mausklick auslöst.

Auf der anderen Seite ist das Touchpad „im Touchmodus“ sehr angenehm zu bedienen. Es versteht Multitouch-Gesten, so lässt sich der rechte Mausklick auslösen, indem man den rechten Zeigefinger auf dem Touchpad liegen lässt und mit dem Mittelfinger kurz tippt – das ist intuitiver als das Durchdrücken des Touchpads. Diese ist übrigens sehr groß und lässt deshalb eine präzise Steuerung zu.

Das 15,6-Zoll-Display – im Testgerät war ein mattes TN-Full HD-Display (1920 x 1080 Pixel) eingebaut, es wird auch noch ein ebenfalls mattes IPS-Panel mit 2880 x 1620 Punkten angeboten – ist scharf, ausreichend hell und die Farbwiedergabe war angenehm. Eine Webcam war im Testgerät übrigens nicht eingebaut – das ist ein wichtiges Sicherheitsfeature, denn viele Hersteller bieten gar kein Modell ohne Webcam mehr an, und diese ist in vielen Unternehmen nicht erwünscht.

Das Gehäuse aus Kohlefasermaterial mit einem Magnesium-Chassis ist stabil, macht das Gerät jedoch angenehm leicht für ein 15,6-Zoll-Notebook sind 2,5 Kilo Gewicht an der unteren Grenze. Das relativ wuchtige Gehäuse hat einen großen Vorteil: Lenovo fiel es leicht, genügend groß dimensionierte Kühlkanäle einzubauen, das W540 bleib sogar während des SpecAPC-Benchmarks, der Grafik und CPU stark fordert, kaum hörbar. Gerade kleinere und flachere Notebooks haben dabei ihre liebe Mühe, unter lautem Lüfterheulen die heiße Luft aus dem Gehäuse zu entfernen.

Der 9-Zellen-Akku ragt hinten aus dem Gehäuse heraus.
Der 9-Zellen-Akku ragt hinten aus dem Gehäuse heraus.

Es sind zwei Akkus erhältlich, mit dem kleineren 6-Zellen-Akku (57Wh) soll das Gerät nach Herstellerangaben sechs Stunden laufen, der 9-Zellen-Akku bietet 100Wh und damit eine weit längere Laufzeit, ragt jedoch nach hinten aus dem Gehäuse heraus.

Mit dem Thinkpad W540 präsentiert Lenovo ein echtes Thinkpad: Nicht gerade ein Aufsehen erregendes Gerät, aber grundsolide, mit einer guten Ausstattung und einer hervorragenden Tastatur. Das Gehäuse macht ebenso wie die Metallscharniere einen extrem stabilen Eindruck und fühlt sich angenehm an. Auch die restliche Ausstattung ist völlig in Ordnung, die Kritikpunkte wie die fehlenden Maustasten oder die nicht im Betrieb austauschbare Multibay sind verschmerzbar beziehungsweise Geschmackssache. Wer robusten Arbeitstieren den Vorzug gibt vor hübschen Gadgets oder überzüchteten Hochleistungssprintern, wird an diesem Gerät über viele Jahre seine Freude haben.

4 Comments

  1. Workstation Besitzer

    Die mobilen Workstations von Lenovo kann ich nur empfehlen! Ich habe selber zu Hause eine CAD Workstation von Lenovo (ähnlich der Lenovo W540) und bin äusserst zufrieden! Dementsprechend kann ich ihrem Blogeintrag nur beipflichten, Lenovo macht echt super Workstations!

  2. Pingback:Lassen sich Journalisten kaufen? – EngineeringSpot

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