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Helmut Haas, Inneo: „Krisen befeuern Innovation“

Systemhäuser sind aktuell interessante Gesprächspartner, weil sie direkt an den CAD-Anwendern dran sind und deren aktuelle Lage bestens kennen. Wie wirkt sich die Coronakrise auf die Industrie aus, wie reagieren die Unternehmen? Deshalb sprach ich diese Woche mit Helmut Haas, Inhaber und Geschäftsführer der Inneo Solutions GmbH, die als Softwarepartner das gesamte PTC-Produktportfolio und die Visualisierungslösungen von Luxion vertreibt und betreut. Zudem bietet Inneo mit 280 Mitarbeitern in 12 Niederlassungen Dienstleistungen, Beratung und Produkte in den Bereichen IT, Hardware, Simulation und Prozessoptimierung an. Inneo ist PTC Platinum Partner, KeyShot Platinum Partner, HP Preferred Gold Partner, NetApp Platinum Partner sowie Microsoft Gold und Ansys Partner.

Helmut Haas Inneo Herr Haas, wie geht es Ihnen und Inneo aktuell?

Bisher geht es uns gut, wir haben einige größere Projekte, die uns beschäftigt halten, auch wenn das Neugeschäft schwierig geworden ist. Wir hatten auch vor CoViD einige Mitarbeiter im Home-Office, so dass auch das nichts Neues für uns ist. Allerdings arbeiten inzwischen weit mehr Mitarbeiter von zu Hause aus.

Wir haben in einem großen Kraftakt in kürzester Zeit unsere Schulungsangebote auch komplett online verfügbar gemacht. Man muss allerdings betonen, dass wir schon bisher bei den Präsenzschulungen die Abstandsregeln eingehalten haben. Insgesamt war es in den letzten Wochen eher ruhig, wozu allerdings auch Ostern beigetragen hat – die Osterzeit mit ihren Ferien war auch schon in der Vergangenheit eher ruhig.

Ganz persönlich fehlt mir der informelle Austausch mit den Mitarbeitern. Es kann jeder Mitarbeiter zu mir kommen, um etwas zu besprechen, trotzdem sind es die kurzen Gespräche auf dem Weg zur Kaffeeküche, die wertvollen Austausch und Input liefern und die jetzt, in Zeiten des Home-Office, leider praktisch komplett wegfallen.

Was mir wiederum positiv auffällt, ist die hohe Effizienz von Meetings per Video. Oft dauern Meetings nur noch halb so lange, als wenn man sich direkt trifft – einfach, weil die Disziplin gezwungenermaßen höher ist. Allerdings geht auch hier Zwischenmenschlichkeit verloren.

Verändern sich die Anforderungen der Unternehmen in der Krise?

Auf jeden Fall. Wir hatten viele Anfragen zu Themen wie mobiles Arbeiten, Webcasts und Videokonferenzen. Interessanter ist die Nachfrage nach dem Verlagern kompletter Arbeitsplätze in die Cloud eher gering, wobei das eigentlich eine sehr gute Lösung für das Home-Office wäre. Wir haben einige sehr gut besuchte Webcasts zu Themen rund um die Nutzung der Unternehmenssoftware im Home-Office veranstaltet.

Und wir erwarten, dass mit wachsender Dauer der Krise die Nachfrage nach Schulungen zunimmt. Wir haben schon in der Finanzkrise 2008-2010 beobachten können, dass nach einiger Zeit die Kurzarbeit dazu genutzt wurde, die Mitarbeiter weiterzubilden.

Ist das auch im klassischen Konstruktionsbereich ein Thema?

Die Konstruktion ist ein spezieller Fall – auf der einen Seite ist der Bereich stark digitalisiert, was das Arbeiten im Home-Office prinzipiell vereinfacht. Auf der anderen Seite waren Konstrukteure bisher nur sehr selten im Home-Office, es fehlt also an der Erfahrung, wie man die Zusammenarbeit beim Arbeiten zu Hause aufrechterhält. Das erfordert eine stärkere Standardisierung und die Entwicklung von Methodiken – Themen, die Inneo schon lange bearbeitet und bei denen wir unsere Kunden sehr gut unterstützen können.

Großartig finde ich in diesem Zusammenhang, dass PTC jetzt Vuforia Chalk als Kollaborationslösung stark promotet und tolle Angebote ermöglicht. Auch die letzte PTC-Akquisition, das Cloud-CAD-System OnShape, passt gerade genau in die Zeit. Hier fragen Hochschulen bei uns verstärkt nach OnShape, um ihre Studenten, die ja ebenfalls nicht an die Hochschule können, mit CAD-Technologie zu versorgen.

Inneo Ellwangen
Der Inneo-Stammsitz in Ellwangen ist aktuell relativ wenig besucht.

Wie sehen Sie die Zeit nach Corona? Wie werden sich unsere Arbeitswelt und unsere Industrie verändern?

Für Unternehmen, die vor der Krise schon Schwierigkeiten hatten, ist die Coronakrise natürlich pures Gift. Sie werden es schwer haben. Bei den anderen Firmen lief es in den letzten Jahren sehr gut und sie stehen wirtschaftlich gut da – was ihnen erlaubt, die Krise durchzustehen und nach der Krise sofort loszulegen. Ich sehe nach dem Ende der medizinischen Bedrohung im B2B-Bereich einen großen Nachholbedarf an Investitionsgütern, der uns einen guten Start verschaffen kann.

Ein großes Problem ist allerdings die Unsicherheit, wann und wie es weitergeht. Die Firmen brauchen Planungssicherheit. Auch ein späterer, aber verlässlicher Termin ist besser als die aktuelle Unsicherheit. Die Politik muss trotz aller gebotener Vorsicht klar sagen, dass die Industrie arbeiten darf und soll – natürlich unter Berücksichtigung der Hygiene- und Abstandsregeln.

Ich bin sicher, dass die Welt nach Corona eine andere sein wird. Zum einen befeuert die Krise Innovationen, wir werden sicherlich einige interessante Lösungen wie OnShape finden, die ihren Weg in die Prozesse finden. Zudem zeigt sich jetzt, dass viele Besprechungen durchaus virtuell ablaufen können, wir werden mehrt Videokonferenzen und weniger lange Fahrten für ein kurzes Meeting haben. Auch wir werden unsere Keyshot World im Juli virtuell abhalten – ich bin sicher, solche Formate werden wir in Zukunft öfter sehen. Trotzdem ist der persönliche, direkte Kontakt nicht zu ersetzen und ich freue mich schon auf die Zeit, wenn dies endlich wieder möglich wird.

Herr Haas, ich danke Ihnen für das Gespräch.

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