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Prostep ivip Symposium: Kollaboration im Zeitalter Smarter Produkte

Auch in diesem Jahr hatte ich wieder die Ehre, beim Prostep ivip Symposium die Vorträge in einem Saal zu moderieren. Das Symposium ist ein sehr interessantes Familientreffen der Spezialisten für Engineering-Datenverwaltung und Datenaustausch. In diesem Jahr trafen sich wieder etwa 700 Teilnehmer am 9./10. April 2019 im Kongresszentrum ICS am Stuttgarter Flughafen. In diesem Jahr stand unter anderem Model Based Systems Engineering im Vordergrund, IoT ist auch bei Prostep ein aufstrebendes Thema.

Peter Schroer von Aras auf dem Prostep ivip Symposium
Aras-CEO Peter Schroer konstatierte, dass zu viel IT-Budget in bestehende Produkte fließt.

Das Symposium wurde von Peter Schroer eröffnet, dem CEO von Aras, neben Schaeffler Hauptsponsor der diesjährigen Veranstaltung. Schroer sprach vom „technical debt“, der technologischen Verschuldung. 80 Prozent der IT-Ausgaben von  Unternehmen werden nach Schroer für bestehende oder alte Systeme ausgegeben, nur 10 Prozent stehen für Innovation zur Verfügung. Das bremse die Einführung neuer Technologien.

Schroer zeigte an einigen Beispielen, wie dramatisch sich die technologische Entwicklung und die Implementierung neuer Technologien beschleunigt haben. Das Telefon benötigte über 75 Jahre, um 50 Mio. Anwender zu erreichen. Bei Youtube waren es nur noch 10 Monate, Pokemon Go erreichte diese Marke in 19 Tagen. Unternehmen bleibt also immer weniger Zeit, sich auf neue Trends einzustellen und neue Entwicklungen frühzeitig genug mitzugehen.

Die Bereitschaft zur Veränderung sei vor allem eine Sache der Unternehmenskultur. Schroer beobachtet, dass Veränderung sehr oft nicht, wie man denken könnte, von den Angestellten blockiert oder gebremst wird, sondern von den Chefs, die oft lange Jahre früher getroffene Entscheidungen verteidigen.

Schroer präsentierte fünf Punkte, die bei Veränderungen wichtig sind:

  • Vision – Neue Technologien benötigen, um erfolgreich eingeführt zu werden, eine Vision, wie diese den Unternehmenserfolg unterstützen.
  • Agility: Das Unternehmen muss organisatorisch und kulturell in der Lage sein, mit überkommenen Prozessen zu brechen und neue einzuführen.
  • Empower: Die Mitarbeiter und die Unternehmensführung benötigen das richtige Wissen über neue Technologien und Prozesse.
  • Save Time: Die neuen Technologien müssen die Effizienz steigern und die Arbeit erleichtern, um akzeptiert zu werden.
  • Have Fun: Diesen letzten Punkt fand ich am interessantesten: Technologie muss den Menschen in ihrer Arbeit helfen und sie nicht frustrieren. „If you see people yell at their monitors, you should start thinking about your IT setup”, so drückte es Schroer aus.

Dirk Spindler, Senior Vice President R&D Processes, Methods & Tools beim zweiten Hauptsponsor Schaeffler, beschrieb die Herausforderungen, vor denen sein Unternehmen steht. Vor allem verändert sich die Kunden-Lieferantenbeziehung radikal: Gab früher der Kunde eine Spezifikation vor, anhand derer Schaeffler Produkte entwickelte, so entwickeln heute Kunde und Schaeffler gemeinsam das Produkt von der Idee bis zur Serie.

Das Prostep ivip Symposium – ein Familientreffen der PLM-Spezialisten

Dirk Spindler von Schaeffler
Die Keynote von Dirk Spßindler, CEO R&D Processes, Methods & Tools bei Schaeffler, sprach über die Veränderungen in der Kunden-Lieferantenbeziehung durch die Digitalisierung.

In einem interessanten Vortrag in „meinem“ Saal zeigten Stefan Gatersleben von Schaeffler und Dr. Sven Kleiner von :em Technologies, wie der digitale Master bei dem Lagerhersteller die Prozesse verändert. Vor allem die Repräsentation von Produkten verändert sich völlig – von der 2D-Zeichnungen, die nur von Spezialisten, aber nicht von Maschinen erfasst werden kann, hin zu einem Datencontainer, der alle Aspekte des Produkts in maschinenlesbarer Form enthält, der Mensch greift auf die Daten über ein 3D-PDF zu, in dem 3D-Geometrie, Toleranzen, Fertigungs- und andere Dimensionen hinterlegt sind. So lassen sich die Daten in vielen nachfolgenden Prozessen und auch beim Kunden nahtlos weiternutzen.

Ein weiterer Vortrag, den ich anmoderieren durfte, kam von Contact Software und dem Fraunhofer Institut IPK. Stefan Gregorzik und Pascal Lünnemann präsentierten zum wiederholten Maloe auf dem Prostep ivip Symposium eine gemeinsam mit dem VDI erstellte Studie zum Thema „Smart Industrial Products“. Diese zeigt, dass durch Cyber-physische Systeme, die um internetbasierte Dienste erweitert sind – das ist die Definition der smarten Produkte – es den Unternehmen möglich wird, ihr Portfolio auszuweiten und Umsätze zu steigern – so jedenfalls die Erwartungen der Befragten. Mit der Erweiterung von Produkten um Dienstleistungen verändert sich die Kommunikation mit dem Kunden. 69 Prozent der befragten Unternehmen erwarten, dass hieraus eine direktere Zusammenarbeit mit den Kunden entstehen wird. Die Studie ist auf der Contact-Software-Website verfügbar.

Dem Vortrag von acatech-Präsident Karl-Heinz Streibich, der den ersten Tag beschloss, widme ich einen eigenen Beitrag nächste Woche. Auch zum Thema 3D-Druck gab es interessante Vorträge, denen ich einen eigenen Beitrag widmen möchte. Der Schlussvortrag des zweiten Tages kam von Claas und handelte von deren Reise in die digitale Transformation auf Basis der 3DExperience. Damit sind auch die Hauptsponsoren der Veranstaltung im Jahr 2020 bekannt: Dassault Systèmes und Claas. Bitte vormerken: Das nächste Prostep ivip Symposium findet am 12./13. Mail 2020 wieder im ICS Stuttgart statt.

2 Comments

  1. Roland Drewinski

    Danke für diese Zusammenfassung! Mein Bedürfnis, was nettes über den Wettbewerb zu sagen, hält sich in Grenzen (-; Aber die Liste von Peter Schroer von Wegen Wandel ist interessant.

  2. Pingback:Streibich beim Prostep Symposium: "Wir haben alle Chancen, aber wenig Zeit!"

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