SolidWorks 2019: „Inspire Innovation“ mit Schwung

Hoppla, da ist mir was durchgerutscht – ich war Mitte September bei der Launch-Pressekonferenz von SolidWorks 2019 – in der übrigens sehr ehlenswerten Ausstellung „Lust der Täuschung“ in der Kunsthalle München – und habe völlig vergessen, darüber zu schreiben. Dabei gibt es einige Neuigkeiten, über die man sprechen kann: Eine neue Grafikengine, MBD steuert CAM, Defeature und vieles andere.

SolidWorks 2019

Das extrem detaillierte Modell des Canada France Hawaii Telescope öffnet sich in SolidWorks 2019 20-30mal schneller (Alle Bilder SolidWorks).

Country Manager Central Europe Uwe Burk präsentierte einige beeindruckende Zahlen: Die SolidWorks-Community in Central Europe (CER), das neben dem DACH-Raum die direkt östlich von Deutschland gelegenen Staaten umfasst, ist nach Nordamerika inzwischen die zweitgrößte, hier sind 165.000 professionell genutzte Lizenzen im Einsatz. SolidWorks hat inzwischen ein Netzwerk von über 750 Software- und Hardwarepartnern aufgebaut, die Produkte und Dienstleistungen rund um das CAD-System anbieten.

SolidWorks-Product Manager Central Europe Andreas Spieler zeigte anhand eines riesigen Modells des Canada France Hawaii Telescope, was die neue Grafikengine leisten kann. Das extrem detaillierte Modell öffnete sich auf einem normalen Laptop extrem flink, vor allem, weil ein großer Teil der dazu notwendigen Berechnungen auf die Grafikkarte verlagert wurde. Die Entwicklung, nach Spielers Angaben eine der größten Umbauten, die jemals in SolidWorks vorgenommen wurde. An der Umsetzung wird schon seit einigen Jahren gearbeitet, im Release 2019 ist sie nun integriert. Je nach Objekt ist die auf OpenGL 4.5 basierende Darstellung nun 20- bis 30-mal schneller, was vor allem bei großen Baugruppen zum Tragen kommt.

Auch in der Simulation setzt SolidWorks 2019 die GPU stärker als bisher zur Berechnung ein, was die Berechnungszeit dritteln kann – die tausenden von Parallelprozessoren einer Grafikkarte spielen bei solchen Aufgaben ihre Power voll aus.

SolidWorks 2019: Grafikkarte sorgt für Performanceschub

Defeature detailliert: So lässt sich ein guter Kompromiss zwischen Service und IP-Protection finden.

Die Defeaturefunktion wurde stark ausgebaut, sie erlaubt das Vereinfachen von Bauteilen und Baugruppen, das Auffüllen innenliegender Bereiche sowie das Verschmelzen von Bauteilen. Diese Funktion senkt zum einen die Dateigröße, zum anderen ermöglicht sie die Weitergabe von 3D-Modellen beispielsweise an einen Kunden, ohne sämtliche Details zu zeigen. So lässt sich das geistige Eigentum schützen. Die neue Funktion bietet das Entfernen interner Komponenten mithilfe eines Schiebereglers, mit dem die Größe der verschwindenden Teile bestimmt werden kann – so lassen sich beispielsweise Schrauben, Scheiben und andere Kleinteile entfernen, ohne die Detaillierung an größeren Elementen zu verlieren. Normalien aus der SolidWorks-Toolbox lassen sich jedoch auch auf Knopfdruck ausschließen.

SolidWorks 2019 ist dabei so schlau, die Masseeigenschaften nicht zu verändern, so dass das Gewicht, wenn man die Komponenten in ein anderes Produkt einbaut, weiterhin stimmt. Das vereinfachet Modell ist mit dem Original assoziativ, so dass es bei Änderungen automatisch aktualisiert wird.

Eine kleine, aber wichtige Änderungen gab es im Featurebaum: Nicht nur Objekte, sondern auch Verknüpfungen lassen sich nun in Ordner sortieren, was die Übersichtlichkeit massiv verbessert. Zudem lassen sie sich nach Status sortieren, um beispielsweise nach einer Änderung Fehler schneller finden und reparieren zu können.

STL-Körper in Linien und Flächen umwandeln

SolidWorks 2019

Das Sortieren der Verknüpfungen zwischen den Teilen einer Baugruppe in Ordner vereinfacht das Zurechtfinden.

STL-Körper lassen sich schneiden, bei Bedarf in regelmäßigen Abständen, um editierbare Kanten- beziehungsweise Liniensegmente zu erzeugen. Ein STL-Modell eines Flugzeugflügels kann so mit wenigen Handgriffen in eine Reihe Spantenschnitte umgewandelt werden. Ebenso kann der Anwender beispielsweise eine Geometrie aus der Topologieoptimierung dank dieser Funktion schnell mit Flächen überziehen und in ein editierbares Modell umwandeln.

Height Maps, also Bitmap-Bilder, die Tiefeninformationen in Form von Grauwerten abbilden, können in SolidWorks 2019 die Geometrie tatsächlich verändern. So lassen sich Körpern sehr schnell Muster aufprägen, beispielsweise das bekannte Diamantmuster für Griffe.

Model Based Definition (MBD), also die mit Toleranz- und anderen Informationen angereicherte  3D-Darstellung, wurde auf den Blechbereich übertragen und kann nun auch hier die Zeichnung ersetzen. Beim Erzeugen von Programmen für CNC-Maschinen kann SolidWorks CAM die in MBD gespeicherten Toleranzen berücksichtigen und den Werkzeugweg in die Mitte des Toleranzfelds verschieben.

SolidWorks Composer wurde besser mit MBD und auch SolidWorks PDM integriert, so dass Modell und Dokumentation assoziativ sind und die Dokumentation wesentlich früher begonnen werden kann. VR-Brillen lassen sich direkt an SolidWorks und e-Drawings anschließen, die Unterstützung von Handskizzen wurde mit KI-Hilfe verbessert, die Ribbon-Oberfläche lässt sich besser individualisieren – eine Vielzahl kleiner Änderungen rundet das Paket der Neuigkeiten ab. Der vollständige Überblick findet sich wie immer im What’s New-Dokument.

Wie immer schafft es SolidWorks, eine gute Mischung zwischen größeren und kleineren Optimierungen und Erweiterungen zu schaffen. SolidWorks 2019 ist sicher das Update wert.

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