1,2,3 – vorbei: Autodesk stampft Teile der 123D-Reihe ein 5

In einem unauffälligen Blogbeitrag auf 123Dapp.com hat Autodesk das Ende des gleichnamigen Portals und damit auch das Ende zahlreicher Apps aus dem 123D-Portfolio verkündet. Die Funktionalität ist teils heute schon in anderen Tools verfügbar, teils wird sie bis zum endgültigen Shutdown in andere Anwendungen des Autodesk-Portfolios übertragen. Ein harter Schlag für die Makerszene – oder?

123Dapps.com, die zentrale Onlineplattform der Maker-Software von Autodesk, wird im März 2017 geschlossen.

123Dapps.com, die zentrale Onlineplattform der Maker-Software von Autodesk, wird im März 2017 geschlossen.

Der Wildwuchs im Bereich der für Privatanwender kostenlosen Apps und Anwendungen von Autodesk ist inzwischen beeindruckend – alleine wenn man im aktuellen Portfolio nach CAD-Applikationen anschaut, findet man Tinkercad, 123D Design, Fusion 360 und wahrscheinlich noch weitere. Auch andere Funktionalitäten waren an mehreren Stellen zu finden. Das soll sich nun ändern.

Der englischsprachige Blogeintrag formuliert das so:

[…] We are consolidating these tools and features into key apps such as Tinkercad, Fusion 360, and ReMake.

Today, we are sharing the news that in early 2017, after we complete this consolidation, we’ll be shutting down 123Dapp.com and turning off many of the apps to new download. […]

Das fotogrammetrische 3D-Scannen in 123D Catch ist auch in Remake verfügbar.

Das fotogrammetrische 3D-Scannen in 123D Catch ist auch in Remake verfügbar.

Die Desktop-App von 123D Catch hat es schon im September erwischt, sie wurde eingestellt – das gilt übrigens nicht für die Android- und iOS-Versionen, diese werden weiter funktionieren. Weitere Apps – welche, ist noch unklar – werden nach und nach abgeschaltet beziehungsweise der Neu-Download gesperrt. Offensichtlich ist Autodesk fleißig dabei, die Funktionalitäten in die drei obengenannten Anwendungen zu implementieren und danach die jeweilige Einzel-Anwendung abzuschalten.

So wurde mir auf Nachfrage mitgeteilt,  dass die Slicing-Funktionen in 123D Make bis Ende Januar in Fusion 360 implementiert werden und danach Make nicht mehr erhältlich ist. Wahrscheinlich werden die Programme – wie 123D Make – die keine Cloud benötigen, für bestehende Anwender weiter funktionieren, andere wie 123D Catch sind ohne Cloudunterstützung nicht mehr lauffähig.

Die Funktionalität von 123D Catch – das 3D-Scannen von Objekten mit Hilfe von Fotos – findet sich wiederum in Remake. Meshmixer soll wohl weiterbestehen, wurde mir versichert. Was mit Circuits passiert, weiß ich nicht sicher, ich gehe aber davon aus, dass diese Software weiterbestehen wird, da kein Alternativtool verfügbar ist. 123D Sculpt+ geht augenscheinlich in Tinkercad auf – zumindest empfiehlt die Sculpt+-Website die Nutzung von Tinkercad. Die Modelle kann man noch einige Zeit herunterladen, es macht allerdings sicher Sinn, nicht allzu lange damit zu warten, wenn man wichtige Modelle auf 123Dapps.com gespeichert hat.

123D Make erstellt aus 3D-Modellen Schichtmodelle. Dies wird in Fusion 360 implementiert.

123D Make erstellt aus 3D-Modellen Schichtmodelle. Dies wird in Fusion 360 implementiert.

Am Ende übrig bleiben als kostenlose Anwendungen also Tinkercad, Fusion 360, Remake und – bisher unbestätigt – Circuits. Diese bieten allerdings eine weiterhin beeindruckende Funktionsbreite; vor allem Fusion 360, das ja von CAD über PLM und Simulation bis hin zu CAM alle typischen Schritte des Entwicklungsworkflows enthält und nun noch die Slicing-Modellierung von 123D  Make erbt. Anwender, die eine einfachere Modellierungssoftware wünschen, werden sich Tinkercad zuwenden, der Punktewolkenworkflow landet in Remake.

Autodesk grenzt den Wildwuchs seiner Maker-Anwendungen ein, das ist ein ebenso notwendiger wie sinnvoller Schritt.

Der einzige wirklich Gekniffene bin ich – ich darf jetzt ein komplettes Kapitel meines Buchs neu schreiben.

 

 

5 thoughts on “1,2,3 – vorbei: Autodesk stampft Teile der 123D-Reihe ein

  1. Pingback: Überraschender Rücktritt: Carl Bass verlässt Autodesk

  2. Reply harry Mrz 30,2017 12:21

    Das negativste daran ist… das die Zukunft nur noch aus Cloudbasierten Apps besteht. Damit hat Autodesk die Anwender endgültig im Griff. Wenn es Autodesk nicht mehr gefällt , das ganze frei anzubieten…kann man nicht einfach bei der ..alten… freien Version bleiben. Für mich ein Grund mehr, niemandem das ganze Portfolio anzubieten oder zu Unterrichten.

  3. Reply Trelas Jun 3,2017 13:36

    Hallo, wann wird es denn den aktualisierten Artikel geben.
    Und wie kann man das hier http://www.instructables.com/id/Laser-Cut-a-3D-object-using-123D-Make/ nun mit Fusion360 umsetzen?

    Greets
    Trelas

    • Reply Ralf Steck Jun 6,2017 14:34

      Hallo Trelas,

      123D Catch wurde durch ReMake ersetzt, 123D Make findet sich praktisch unverändert, aber mit dem neuen Namen „Slicer for Fusion 360“ hier im Fusion-Plugin-Verzeichnis. Slicer funktioniert jedoch nach wie vor als Standalone-App, es wurde nur der (Speicher-) Zugang zur 123D-Cloud durch den Zugang zur 360-Cloud ersetzt.

      Damit sollte auch das Instructable zu machen sein.

  4. Reply Trelas Jun 9,2017 22:12

    Gerade installiert. THX für den Hinweis.

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