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Euromold 2015: Alle Erwartungen übertroffen!?

Die Überschrift dieses Artikels ist – bis auf die Satzzeichen – der Abschlusspressemitteilung der Euromold-Veranstalterin Demat entnommen. Die meisten Messebesucher dürften von dieser Aussage verblüfft sein, denn die Messe war in Bezug auf Fläche und Ausstellerzusammensetzung ein schwacher Abglanz alter Zeiten. Dennoch ist die Überschrift nicht ganz falsch, denn viele Aussteller waren durchaus zufrieden – es kam eben auf die Erwartungen an.

Die Folie von der Euromold-Eröffnungspressekonferenz zeigt die Verteilung der Aussteller nach Nationen.
Die Folie von der Euromold-Eröffnungspressekonferenz zeigt die Verteilung der Aussteller nach Nationen.

Euromold – das waren einmal mehrere Hallen auf dem Frankfurter Messegelände, 80.000 Quadratmeter und über 1.800 Aussteller. Die 2015er Ausgabe hätte knapp in eine der beiden Hallen des Düsseldorfer Messegeländes gepasst, in denen die 453 Aussteller mit teilweise winzigen Buden verteilt waren. Aus dieser Perspektive ist die Veranstaltung – man kann es bei bestem Willen nicht anders nennen – ein Niedergang.

Auch in Bezug auf die Relevanz war die diesjährige Euromold ein Desaster. 3D Systems als einziger anwesender „Großer“ der 3D-Druck-Branche war zwar mit einem großen Stand vertreten, legte allerdings seinen Schwerpunkt auf die Softwarepalette, Virtual Gibbs, Geomagic und so weiter. An klassischen CAD-Anbietern fand ich einen Autodesk-Stand, Spaceclaim als Unteraussteller im CAE-Forum und ZW3D. Auffällig – aber von den letzten Euromolds schon gewohnt – war der hohe Anteil asiatischer Aussteller. In der Pressekonferenz wurde der Anteil asiatischer Aussteller mit 25,1 Prozent angegeben, darunter 18.1 Prozent Aussteller aus der Volksrepublik China. Zum Vergleich: Deutsche Aussteller brachten es auf 41,9 Prozent, das restliche Westeuropa auf weitere 23,6, Osteuropa auf 6,1 Prozent.

Euromold 2015: Internationaler Anspruch, regionale Bedeutung

Gut bestückt war die Halle der kleineren 3D-Druckanbieter, über deren Angebot habe ich ja schon berichtet. Und die Stimmung war nicht nur dort, sondern auch bei anderen Ausstellern zum Teil gar nicht so schlecht. Der Tenor in den Gesprächen, die ich mit Ausstellern führte, ging in die Richtung: „Wenn man sich vorher klar gemacht hat, wie die Messe laufen wird, wurden die Erwartungen eher übertroffen als enttäuscht.“ Offensichtlich war die Qualität der laut Messe 11.160 Fachbesucher tatsächlich recht gut. Erwartungen, die sich an vergangenen Euromolds orientierten, konnten dagegen nur enttäuscht werden – aber das hätte einem schon im Vorfeld klar sein können.

Teils gut besucht: Die Vorträge auf der Euromold 2015 (Bild: Dirk Pieper).
Teils gut besucht: Die Vorträge auf der Euromold 2015 (Bild: Dirk Pieper).

Dirk Pieper vom CAE-Forum, der die Vortragsveranstaltung auf der Messe organisiert und moderiert hatte, zeigte sich jedenfalls zufrieden: „Wir hatten bei den über 40 Vorträgen des CAE-Forums etwa 1.000 Besucher, bei manchen Vorträgen reichten die Sitzplätze nicht aus. Die Zusammenlegung mit dem Design & Engineering Forum war ein Erfolg, so konnten wir die komplette Prozesskette von der Entwicklung über die Berechnung bis in die Fertigung thematisch abdecken.“

Terry Wohlers, der die International Wohlers Conference und die – erstmals dreitägige – Conference on Additive Manufacturing & 3D Printing organisiert hatte, zeigte sich in seinem Blog „Wohlers Talk“ zufrieden mit dem Event: „The 22nd annual Euromold event was held last week in Düsseldorf, Germany. Other than a few companies missing from the exhibition floor, it could not have gone better“. Die Konferenz brachte wirklich hochklassige Sprecher auf die Bühne, darunter Autodesks CTO Jeff Kowalski und der neue Chef der 3D-Druckersparte von HP, Stephen Nigro.

Insgesamt hinterlässt die 22. Euromold also ein zwiespältiges Gefühl, positive Ansätze und teils zufriedene Aussteller. Doch ich muss Wasser in den Demat-Wein gießen: Für Besucher – die üblicherweise nicht so nah an der Entwicklung der Messe sind wie Aussteller und Presse – war es sicher ein Schock, die geschrumpfte Messe zu besuchen. Der Anspruch, der sich im Slogan „Euromold – Weltmesse für Werkzeug-, Modell- und Formenbau, Design, Additive Fertigung und Produktentwicklung“ widerspiegelt, konnte in keiner Weise erfüllt werden. Eine Messe muss den Markt abbilden, das bedeutet, die relevanten Marktteilnehmer präsentieren. Das ist alleine im Bereich Produktentwicklungssoftware mit Autodesk, Spaceclaim und ZW3D nicht der Fall. Der 3D-Druck war zwar mit einem Drittel der Aussteller (Messeangabe) schon fast überrepräsentiert, aber wenn Hochkaräter wie Stratasys, der 3D-Druckbereich von 3D Systems, EOS oder SLM fehlen, ist der Markt einfach nicht abgedeckt. Im CAM-Bereich war Marktführer Tebis als Unteraussteller beim Landesinnungsverband der Modellbauer Bayerns zu finden, Open Mind gar nicht vertreten, Mecadat und SolidCAM zeigten mit Ministänden Flagge.

Für mich hat die Euromold eine Zukunft als regionale Messe für additive Fertigung und Formenbau. Ich finde das sehr schade und hoffe, dass die formnext in die Bresche springen kann. Der Markt braucht meiner Meinung nach eine Messe, wie sie die Euromold einmal war, im Herbst.

2 Comments

  1. Pingback:Formnext: Qualität statt Quantität bei den Ausstellern

  2. Pingback:formnext: Ein ausbaufähiger Punktsieg für Frankfurt

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