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Wer bin ich? CAD-Systeme in der Identitätskrise

Nach einigen CAD-Systemtests fällt es mir immer schwerer, die CAD-Systeme so zu beurteilen, dass ein echter Character des Systems sichtbar wird – immer ähnlicher werden sich die Systeme – in den Fähigkeiten, aber vor allem in der Oberfläche.

Kinematik und Baugruppen im CSWA: Der Abstand der beiden Schubstangen bei gegebenen Bedingungen für die violetten Rädern wurde abgefragt
Ribbon-UI in SolidWorks

Die Ribbon-UI von Microsoft hat sich auf breiter Front durchgesetzt – die Benutzerschnittstelle mit einer breiten Buttonleiste oben, die durch Reiter auf mehrere Seiten verteilt ist und die Icons zu logischen Gruppen zusammenfasst, ist bei Programmen aller Art zu finden. Auch die meisten CAD-Systeme haben den Schwenk mitgemacht – ob Creo, Inventor, Solid Works, Solid Edge oder auch Spaceclaim. Nur die „dicken Eisen“ NX und Catia scheinen noch eine althergebrachte „Icon-in-einer-Reihe-Oberfläche“ zu haben.

Auch die Modelliertechnologien bieten kaum noch ein Auswahlkriterium. Vor zehn Jahren teilte man den Markt noch in Low-End, Midrange- und High-End-Systeme ein, 2D-Systeme waren Low-End, die Solid-Systeme und Inventor bildeten die Mittelklasse und Pro/Engineer, NX/Unigraphics sowie Catia das High-End. Unterscheidungsmerkmal zwischen Mitte und Spitze waren – neben der PLM-Integration – die Modellierfähigkeiten des Systems.

Auch hier Ribbons: Solid Edge
Auch hier Ribbons: Solid Edge

Das hat sich drastisch geändert. Das Low-End ist praktisch ausgestorben, die Midrange-Systeme können mit PDM/PLM-Systemen sprechen und die PTC-Lösung hat sich spätestens mit Creo in den Midrange-bereich ausgebreitet, ohne dabei den High-End-Bereich zu vernachlässigen.

Was heißt das nun? Ist es schlicht egal, welches Sytem man wählt, weil ja alle in etwa dasselbe können? Sicher nicht, wobei ich schon mit Firmen gesprochen habe, die primär ein Systemhaus gewählt haben, dem sie vertrauen, und dann dessen Lösung nutzten, nach dem Motto: „Das beste System ist nichts wert ohne guten Support“.

Schaut man genauer, hat doch jedes System so seine eigene Philosophie und seinen Kundenkreis. Geht es darum, eine integrierte Entwicklungsumgebung zu erstellen, in der komplexeste Produkte effizient entwickelt werden sollen, kommt man um eines der High-End-Systeme nicht herum. Creo, Catia und NX bringen jeweil ein extrem

Ribbons, wohin man schaut: Spaceclaim
Ribbons, wohin man schaut: Spaceclaim

leistungsfähiges PLM-System mit, bieten spezielle Collaboration-Funktionalitäten und an vielen Stellen doch die eine oder andere Modellieroption mehr. Zudem lassen sie sich durch die starke Modularisierung exakt an die Anforderungen jedes Users abstimmen. Nachteil: Der Konfigurationsaufwand ist nicht zu vernachlässigen, ein Systempartner unerlässlich.

SolidWorks, Solid Edge und Inventor werden als Paket verkauft. Man hat manchmal etwas mehr Funktionalität als man benötigt, aber andererseits ein System, das schnell und selbst installier- und nutzbar ist. Auch hier gibt es jeweils Verwaltungsprogramme, die jedoch weit weniger komplex sind – was dem typischen User aus dem klein- und mittelständischen Bereich entgegenkommt.

Inventor mit Ribbons
Inventor mit Ribbons

Interessant ist es auch, dass trotz der so ähnlichen Oberfläche die Bedienung beim einen oder anderen System sich doch einfacher oder hakeliger anfühlt. Rechte-Maustaste-Menüs und andere Tricks erleichtern das Arbeiten und vermeiden zu lange Mauswege zu den Buttons im Ribbon. Technologien wie Synchronous Technology bei Solid Edge oder die direkte Modellierung bei Spaceclaim bieten weitere Unterscheidungsmöglichkeiten, die je nach Konstruktionsphilosophie und -prozess im eigenen Haus mehr oder weniger positiv nützlich sind.

Am Ende bleiben doch genug Unterscheidungsmerkmale, die eine Kaufentscheidung in die eine oder andere Richtung beeinflussen. Am besten testet man die Systeme aus – kostenlose Testversionen sind von den meisten Systemen erhältlich. Und ich werde meine Systemtests fortsetzen und versuchen, die Unterschiede in den Bedienphilosophien herauszuarbeiten. Die positive Nachrist ist: Man kann kaum noch einen echten Fehlgriff machen, die Syteme lösen alle die meisten Aufgaben. Zugleich ist es schwieriger geworden, genau den „Unique Selling Point“ zu fuinden, der ein bestimmtes Sytem zum perfekten System für die eigenen Anforderungen macht. Beratung ist also wihtiger denn je.

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