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Hurra, wieder ein Schlagwort: Industrie 4.0

Die deutsche Industrie ist am Beginn einer neuen Revolution. Sie haben noch gar nichts davon gemerkt? Machen Sie sich keine Gedanken, Sie sind nicht alleine. Ich habe davon auf der Pressekonferenz der Deutschen Messe AG zur Digital Factory gehört.

Prof. Claus Oetter (re.) vom Fachverband Software im VDMA erläutert Industrie 4.0, Olaf Daebler, Abteilungsleiter Digital Factory, hört zu.
Prof. Claus Oetter (re.) vom Fachverband Software im VDMA erläutert Industrie 4.0, Olaf Daebler, Abteilungsleiter Digital Factory, hört zu.

Unter dem Namen Industrie 4.0 hat die Bundesregierung im Rahmen der eigenen Hightechstrategie ein Zukunftprojekt ins Leben gerufen, mit dem laut Wikipedia „die Informatisierung der klassischen Industrien, wie z.B. der Produktionstechnik, vorangetrieben werden soll. Das Ziel ist die intelligente Fabrik (Smart Factory), die sich durch Wandlungsfähigkeit, Ressourceneffizienz und Ergonomie sowie die Integration von Kunden und Geschäftspartnern in Geschäfts- und Wertschöpfungsprozesse auszeichnet.“

Warum 4.0? Es soll sich hier um die vierte industrielle Revolution handeln, nach der Einführung von Dampfmaschine, Fließband und speicherprogrammierbaren Steuerungen. Der Inhalt der vierten Revolution soll nun also das Zusammenwachsen der realen mit der virtuellen Welt sein. Und die Diagnose, dass sich die Welt ändert ist ja auch nicht falsch – aber genauso wenig überraschend.

Hoch individualisierte Produkte müssen gefertigt werden, was eine hochgradige Flexibilisierung und eine dementsprechend intelligente Steuerung und Überwachung dieser Fertigung erfordert. Kunden und Lieferanten werden in Geschäfts- und Wertschöpfungsprozesse integriert, Produkte und Dienstleistungen miteinander verkoppelt.

das ist alles grundsätzlich nichts Neues. SAP und andere ERP-Anbieter haben in Zusammenarbeit mit MES-Lösungsanbietern heute schon Lösungen im Portfolio, die jede Schraube und jedes Werkstück, jeden Messprozess und jedes Anzugsdrehmoment lokalisieren, überwachen und dokumentieren können. Der zweite Teil, die Vernetzung von Produktentstehungsketten über Unternehmensgrenzen hinaus, ist ein typisches PLM-Thema, das von den bekannten Anbietern unterstützt wird. Und heute schon kann der BMW-Kunde aus seinem Produkt heraus Mobilitätsdienstleistungen anfordern, werden Anlagen nicht mehr vom Nutzer betrieben und überwacht, sondern per Fernwartung vom Hersteller.

Natürlich sind dies nur erste Ansätze und es ist für den Staat sicherlich nicht die schlechteste Investitionsmöglichkeit, High-Tech-Themen zu unterstützen. Aber mein Gefühl ist es, dass der letzte Satz der Projektbeschreibung „Für das Zukunftsprojekt sind im Rahmen der jeweils geltenden Finanzplanung bis zu 200 Mio. Euro vorgesehen.“ für Verbände, Forschungseinrichtungen und Unternehmen der wichtigste Grund ist, gerade jetzt gerade diese Revolution auszurufen. Bitkom, VDMA und ZVEI sind folgerichtig auch dabei, einen gemeinsamen Verband aufzusetzen. Und dass sich die Hannover Messe mit dem diesjährigen Motto „Integrated Industry“ in ähnlicher Richtung bewegt, ist dann nicht mehr überraschend.

Dass der aktuelle Trend zur Vernetzung aller Bereiche und Lösungen auch in der Produktion ankommen wird, ist klar. Dass die Zusammenarbeit – vor allem auch zwischen den Disziplinen Mechanik, Elektronik und Software – enger werden müssen, auch. Aber eine Revolution ist eine umsturzähnliche Veränderung. Ich sehe eher eine Evolution: Wenn die Entwicklung so weiterläuft wie sie das aktuell tut, kommen wir in naher Zukunft in der Industrie 4.0 an – und zwar nicht wegen eines politischen Projekts, sondern wenn und weil es Geld bringt.

Sehen Sie das anders? Sehen Sie Zeichen der Revolution? Diskutieren sie in der Kommentaren.

 

5 Comments

    • Ralf Steck

      Hallo Herr Sodener,
      Sie haben Recht, Augmented Reality ist ein interessantes Beispiel für das Zusammenwachsen von Virtuellem und Realität. Auf einer Siemens-Pressekonferenz habe ich gehört, dass ein Werkzeugmaschinenhersteller zur Kontrolle der laufenden Bearbeitung eine Simulation auf dem Bildschirm der Maschine anzeigen lässt.

      Das Video, das Sie verlinkt haben, gefällt mir übrigens sehr gut, weil es von unserem Partner Cadenas kommt. Die K CAD CAM-App, die Sie rechts in der Seitenleiste herunterladen können, stammt ebenfalls von Cadenas :-)

  1. Stefan Kühner

    Zustimmung. Der Begriff Industrie 4.0 ist eine Marketing-Sau, die durchs Dorf galoppiert. Das tat sie aber schon vor 2 Jahren zur Hannover Messe.

    Ob das Revolution ist oder Evolution, wissen wir in 10 bis 20 Jahren. Ich gebe aber zu bedenken, dass auch die erste industrielle Revolution nicht an einem Tag erfolgte, sondern eine Entwicklung war, die über einige Jahrzehnte lief. Die Änderungsgeschwindigkeit in industriellen Prozessen ist verglichen mit der ersten industriellen Revolution heute rasant.

    Ich stelle deshalb die Frage: ist die vierte industrielle Revolution so bedeutungsvoll wie die erste und die zweite industrielle Revolution?

    Ich habe dabei drei Aspekte im Auge.
    – die technischen Innovationskraft
    – die sozialpolitische Bedeutung für die Menschen, die in der Arbeitswelt stehen
    – das Wissen über die Produkte und ihre Herstellung

    Alle diese Punkte sind Diskussionen wert. Ich spreche hier den letzten Punkt an. Die VDI-Nachrichten schrieben am 01.04.2011zum Thema Industrie 4.0:

    Nun betätige ich mich mal als Quer-Denker. Wenn das Wissen über die Produkte einschließlich ihre Herstellung als Informationseinheit in den Produkten steckt, können ‚wir’ dann ‚unser’ Know-how noch für uns behalten? Legen wir es mit Industrie 4.0 nicht auf den Präsentierteller der Welt?
    Gehört das Wissen über die tollen Produkte dann der Menschheit ganz allgemein? Und – wäre dies vielleicht sogar ein Ansatz für friedliches Teilen? Oder nutzen ein paar wenige innovative Gruppen ihr Know-how, um sich unangreifbar zu machen?

    Zustimmung auch zu Ihrem letzte Satz, sehr geehrter Herr Steck. Ich könnte ganz altmodisch sagen, vom Profit. Und (wie) hängt dies mit meinem Quer-Gedanken zusammen?

    Stefan Kühner

  2. Wasi

    Bei der Ersten industrielle Revolution wurden zum Ende des 18. Jahrhunderts mechanische Produktionsanlagen eingesetzt.
    Die Zweite industrielle Revolution setzte zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch die arbeitsteilige Massenproduktion von Gütern ein.
    Die Dritte industrielle Revolution kam in den 70er Jahren durch die Automatisierung von Produktionsprozessen mit Hilfe von Elektronik und IT.
    Die Vierte industrielle Revolution soll 2020 starten. Autonome Produkte und Entscheidungsprozesse steuern Wertschöpfungsnetzwerke in Echtzeit.
    (Quelle: http://www.marktundmittelstand.de/nachrichten/produktion-technologie/industrie-40-die-vernetzte-fabrik/ )
    Schaut man sich diese Aufstellung an, klingt es mit der Revolution natürlich sehr schön. Aber ich sehe hier ebenfalls eine Evolution.

    Gruß,
    W.

  3. Pingback:EngineeringSpot » Future Machinery Kongress – Licht ins Dunkel von Industrie 4.0

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