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NX Sketch: Siemens erfindet den Skizzierer neu – mit KI

Ich habe noch einen Nachtrag zu meinem Artikel über den Siemens Analyst Day Mitte Juni: Neben Den SaaS-Versionen von Teamcenter und Polarion präsentierte Siemens Industry Software die überarbeitete Version von NX Sketch. Nun ist das Skizziermodul nicht gerade der „most sexy“ Funktionsbereich einer CAD-Software, trotzdem hat Siemens hier einige interessante neue Features und sogar KI im neuen NX Sketch untergebracht.

Siemens Industry Software NX Sketch
Gezieltes Aussschalten der Bedingung „Kreismittelpunkt auf der X-Achse“ ermöglicht das Verschieben des Lagerbocks (Alle Bilder: Siemens).

Peter Scheller, Business Development Consultant Strategy and Communications bei Siemens Industry Software, zeigte mir die Neuerungen in NX Sketch. Auslöser der Neuprogrammierung war die Erkenntnis, dass gerade am Beginn einer Entwicklung der CAD-Einsatz sehr gering ist. In der Ideenfindungsphase wird nach wie vor meist auf Papier – oder ganz stilecht auf Servietten beziehungsweise Bierdeckeln – gearbeitet. Der Grund dafür die Beschränkungen, die die meisten CAD-Skizzierer dem Benutzer auferlegen.

In der Ideenfindungsphase möchte man kreativ drauflos skizzieren, ohne sich mit der Ein- und Vergabe von Maßen, Verknüpfungen und Beziehungen zu belasten – man kennt ja viele dieser Parameter in diesem Stadium schlicht noch nicht. Da die Skizzierer der CAD-Systeme ohne Eingabe solcher Parameter kaum benutzbar sind, weicht man am Ende doch wieder auf Papier aus – und vergibt damit die Chance, die Ideenfindungsphase und die verschiedenen Ansätze, die man in dieser Phase findet, zu dokumentieren.

Dabei kann bei den zunächst ad acta gelegten Ansätzen durchaus eine gute Idee für ein anderes Projekt oder eine Variante dabei sein. Vor allen aber zeigen diese ersten Skizzen, warum eine Konstruktion so entstanden ist, wie sie dann umgesetzt wurde.

NX Sketch
Ganze Geometriebereiche wie das Loch in der Mitte lassen sich verschieben und rotieren.

Seit Ende Juni steht nun die neue Version von NX Sketch zum Download bereit – „richtige“ Releases gibt es ja bei NX nicht mehr, sondern Neuheiten werden veröffentlicht, sobald sie fertig sind. Mit der iOS-App Catchbook – ich hatte schon 2015 darüber berichtet – sammelte Siemens erste Erfahrungen mit einem Skizzierer, der die Intentionen des Benutzers erkennt und beispielsweise aus den Handlinien echte Kreise und Linien erzeugt.

Hinter NX Sketch steckt ein völlig neu entwickelter Solver beziehungsweise Geometriekern, der interessanterweise zumindest aktuell nicht – wie Parasolid – an Dritte lizenziert wird. Dieser erkennt Geometrieelemente und Beziehungen automatisch. So werden beispielsweise „parallel“, „symmetrisch“ oder auch „tangentiell“ automatisch erkannt. Hinter der schnellen und extrem intelligenten Erkennung von Zusammenhängen zwischen Geometrieelementen steckt tatsächlich eine Künstliche Intelligenz.

Per Geste lassen sich Linienzüge aufbrechen und verändern, Maße können, müssen aber nicht angegeben werden. Zudem lassen sich die vergebenen Maße und Bedingungen einzeln per Knopfdruck oder auch global ab- und wieder anschalten, wenn sie beim Umbau einer Skizze stören. Beim Berühren mit dem Mauszeiger zeigt jede Bedingung ihre zugehörigen Geometrien. Wer einmal die eine überdefinierende Bedingung in einer komplexen Skizze gesucht hat, wird diesen Komfort lieben.

KI erleichtert das Skizzieren
Das System erkennt, dass eine Reihe von Löchern auf dem Radius liegt, und ermöglicht das gemeinsame Verschieben.

Visuelle Effekte helfen bei der Geometrieerstellung. So färbt das System die Innenfläche geschlossener Linienzüge hellblau, geometrisch bestimmte Elemente werden dunkler angezeigt.

Ein echtes Highlight von NX Sketch ist die automatische Erkennung von Beziehungen an importierter Geometrie. Dabei versucht das System nicht, eine Geometrie, beispielsweise aus einer DXF-Datei, in ihrer Gesamtheit in eine intelligentes Skizze zu überführen. In einem Video, das man auf im NX-Sketch Review meiner englischen Kollegen von Develop3D findet, wird dies am Beispiel einer DXF-Datei einer gelochten Bremsscheibe gezeigt. Der Bediener erzeugt einen Kreis und alle Kühllöcher, die auf diesem Kreis liegen, werden als Muster erkannt und können gemeinsam bearbeitet werden. Auch die Offsetbeziehung zwischen dem Nabenloch und den Aussparungen darum erkennt das System.

Offensichtlich gibt es doch sinnvolle Anwendungen für KI, die in dieser Anwendung wirklich zeigt, was sie kann. Wie NX Sketch die geometrischen Beziehungen zwischen Elementen der Bremsscheibe erkennt, ist verblüffend. Das „beziehungs- und maßlose“ Skizzieren bieten andere Systeme bis zu einem gewissen Grad ebenfalls, die Umsetzung in NX ist jedoch zum einen umfassender, zum anderen durch die Möglichkeit, die gefundenen Verbindungen per Mausklick auszuschalten, einfach sehr effizient und flexibel.

 

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