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Stratasys J55: Bürotauglicher Vollfarb-3D-Drucker für Designer

Letzte Woche präsentierte Stratasys in einer virtuellen Pressekonferenz das neue System Stratasys J55, einen Vollfarb-3D-Drucker, der nach dem von den J7xx- und J8xx-Baureihen bekannten Polyjet-Verfahren arbeitet, aber kleiner, geruchsfrei und damit bürotauglich ist. Eine rotierende Bauplattform soll die Genauigkeit verbessern.

Stratasys J55
Ein Vollfarb-3D-Drucker für das Designbüro: Stratasys J55 (Alle Bilder: Stratasys).

Bei der ursprünglich von Objet entwickelten Polyjet-Technologie werden über einen Druckbalken Tröpfchen eines oder mehrerer Harz-Materialien abgelegt und so ein 3D-Modell aufgebaut. Das Harz wird nach jeder Schicht mit Hilfe von UV-Licht ausgehärtet. Da die Tröpfchen sehr klein sind und sehr genau platziert werden können, lassen sich mit mehreren Materialien Farbverläufe und unterschiedliche Eigenschaften zielgenau platzieren. Die J-Serie bietet seit Jahren fotorealistische 3D-Drucke, die Geräte hatten allerdings Tischgröße und mussten in einem eigenen Raum betrieben werden, unter anderem wegen der entstehenden Gerüche.

Mit dem Stratasys J55 bieten das Unternehmen nun ein Gerät, das mit einer Größe von 651 × 661 × 1551 Millimeter sehr viel kleiner als die bisherigen Modelle ist. Zudem emittiert die J55 keine Gerüche und nahezu keine Geräusche, was ihn für die Aufstellung im Büro qualifiziert.

Stratasys zeigte auf der Pressekonferenz eine gedruckte Packung für ein fiktives Wireless-Ohrhörer-Produkt – komplett mit gedruckten Ohrhörern und Zubehör. Dieses Beispiel zeigt sehr gut, wohin die Reise mit dem J55 geht: Es ist das optimale Gerät für Designer, die ihre Entwürfe in möglichst kurzer Zeit dreidimensional und fotorealistisch in Händen halten möchten. Das Gerät spricht also nicht den 3D-Druckspezialisten an, sondern allgemeine Anwender. Stratasys betont dementsprechend die einfache Bedienbarkeit, unter anderem lässt sich der Status des Drucker über Alexa abrufen.

Druckkarusell: Der J55 nutzt einen bisher nie gesehenen, rotierenden Drucktisch.

Ein wichtiger Aspekt der Bedienbarkeit ist die Datenbereitstellung. Dank der vollständigen Unterstützung durch die Software GrabCAD Print lassen sich die üblichen CAD-Dateiformate wie SolidWorks, Catia, PTC Creo, Siemens NX, Inventor importieren. Zudem unterstützt der J55 das 3MF-Dateiformat, das auch Farben übertragen kann – eine deutliche Verbesserung gegenüber herkömmlichen STL-, OBJ- und VRML-Dateien. Aktuell im Betatest ist die Unterstützung eines 3MF-Farbprozesses mit der 3D-Rendering-Software KeyShot® von Luxion. Die Einführung im produktiven Einsatz ist für Ende 2020 vorgesehen.

Die Drucktechnologie ist etwas Besonderes: Normalerweise bewegt sich der Druckkopf in zwei Ebenen, die dritte Ebene übernimmt der Drucktisch. Bei der Portalbauweise, wie sie viele preiswerte 3D-Drucker haben, fährt der Druckkopf auf und ab sowie quer – Z und X, während der Drucktisch nach vorn und hinten in Y-Richtung bewegt wird. Bei der CoreXY-Bauweise, in der beispielweise die bq Witbox oder die Ultimaker-Systeme gehalten sind, fährt der Tisch in Z, der Kopf im oberen Teil des Druckers in X und Y.

Ein Sortiment von Beispielteilen ist bei Stratasys erhältlich.

Im Stratasys J55 fährt der Drucktisch ganz konventionell mit wachsendem Druckteil nach unten, zudem aber dreht er sich. Der Druckkopf ist fix an der Decke des Druckraums eingebaut, wo er radial in drei Stellungen bewegt werden kann. Der Tisch dreht sich dreimal pro Druckschicht, wobei der Druckkopf auf drei Radien nacheinander druckt. Während des eigentlichen Druckvorgangs steht der Druckkopf also fest, was für eine höhere Präzision sorgen soll.

Die Rotation des Druckbetts macht die Benennung eines Druckvolumens schwierig, da Bauteile, wie die verfügbaren Videos nahelegen, nicht über die Mitte hinaus positioniert werden können. In den Videos sind die Bauteile immer auf einem Radius angeordnet, die maximale Druckhöhe beträgt 18,7 Zentimeter, die Fläche des Tischs 1174 cm². Stratasys nennt ein Volumen von 22 Litern.

Der neue Drucker kann fünf Materialien plus ein auswaschbares Stützmaterial gleichzeitig verwenden, zur Auswahl stehen die Materialien VeroCyanV, VeroMagentaV, VeroYellowV, VeroPureWhite, VeroBlackPlus, VeroClear und DraftGrey. So lassen sich Texturen, Transparenz mit VeroClear (VeroUltraClear wird später im Jahr 2020 verfügbar sein), X-Rite-basierte Farbprofile und Pantone-Validated Farben darstellen.

Die Vielfalt, die mit den Stratasys-Materialien erzeugbar ist, beeindruckt.

Der Stratasys J55 wird voraussichtlich im Juli 2020 ausgeliefert und Bestellungen werden schon jetzt entgegengenommen. Der Preis ohne MwSt. soll bei 95.000 Euro liegen.

Der neue Stratasys-CEO Yoav Zeif, der erst seit Mitte Februar im Amt ist, nannte den J55 „Designed for Designers.“ Das kann man nur unterschreiben, zum einen gibt es im Produktdesign sicher einen großen Bedarf nach einem bürotauglichen Vollfarb-3D-Drucker, zum anderen hat Stratasys diese Anforderung offensichtlich sehr gut getroffen. Mit dem Stratasys J55 bringt das Unternehmen einen wirklich interessanten 3D-Drucker mit einigen Alleinstellungsmerkmalen auf den Markt.

 

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