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Stratasys und HP: 3D-Druck-Initiativen gegen Covid-19

Unternehmen in aller Welt stemmen sich gegen die durch das Coronavirus ausgelöste Krise. Viele davon haben keine andere Chance, als die Krise abzuwettern und mit allen Mitteln zu versuchen, zu überleben, bis die Covid-19-Pandemie im Griff ist. Andere Firmen greifen aktiv in den Kampf ein, beispielsweise mit der Herstellung von persönlicher Schutzausrüstung für medizinisches Personal. Nach den  Berichten über die 3D-Druck-Initiative in Bergamo starten nun auch Stratasys und HPInitiativen für den Schutz vor Covid-19.

Stratasys Gesichtsschutzschild
So einfach herzustellen und dabei so woichtig: Schutzschilde für medizinisches Personal (Bild: Stratasys).

Ein von Stratasys initiierter Zusammenschluss zur Produktion von Gesichtsschutz-Visieren per 3D-Druck umfasst inzwischen über 150 Unternehmen und Universitäten. Hierzu zählen unter anderem Boeing, Toyota Motor Company, Medtronic, das Dunwoody College of Technology, die University of Central Florida und die University of Minnesota.

Im Kampf gegen die CovidD-19-Pandemie setzte sich Stratasys vergangene Woche zum Ziel, bis zum 27. März 5.000 Gesichtsschutz-Visiere aus eigenen und partnerschaftlichen Kapazitäten kostenfrei herzustellen. Dazu gehören sowohl ein 3D-gedruckter Kunststoffrahmen als auch ein durchsichtiges Kunststoffvisier, der das gesamte Gesicht bedeckt. Diese Zahl wurde nach Angaben von Stratasys gestern überschritten. In der kommenden Woche könnte die Koalition dann über 11.000 und in der darauffolgenden Woche mindestens 16.000 Gesichtsvisiere produzieren.

Initiative um Stratasys will pro Woche 16.000 Schutzschilde drucken

Jede 3D-Druck-Firma, die helfen möchte und mindestens 100 Visiere drucken kann, kann ein Online-Formular ausfüllen, um zur Teilnahme an der Initiative eingeladen zu werden. In Europa dient Stratasysals zentrale Anlaufstelle, um Servicebüros mit denjenigen zu verbinden, die gegen Covid-19 Hilfe benötigen, und hat Angebote und Anfragen in den meisten größeren Ländern aufgegriffen. Außerdem hat das Unternehmen die vollständige Druck- und Montageanleitung für das Gesichtsschutz-Visier veröffentlicht, damit jeder selbstständig Gesichtsschutz-Visiere herstellen kann. In den USA nutzt Stratasys seine Software GrabCAD-Shop zur Verwaltung von Arbeitsaufträgen, um jedem Koalitionsmitglied die Aufträge aus den Gesundheitssystemen zuzuweisen.

Stratasys 3D Druck
Bis zu 16.000 Schilde pro Woche will Stratasys mit seinen Partnern drucken (Bild: Stratasys).

Bislang versorgt die Koalition die Bedürfnisse von mehr als 30 verschiedenen medizinischen Einrichtungen, darunter Krankenhäuser, Kliniken, Universitätskliniken und Pflegeheime. Die ersten Lieferungen erfolgten am Mittwoch, 25. März. Stratasys hat Anfragen für 350.000 Gesichtsschutz-Visiere erhalten, so dass eine weitere Beschleunigung der Produktion aller Koalitionsmitglieder von entscheidender Bedeutung ist.

Stratasys selbst produziert Tausende von Visieren in Minnesota, Kalifornien und Texas, wobei die Ressourcen von Stratasys, Stratasys Direct Manufacturing und MakerBot genutzt werden. Darüber hinaus werden weitere Anfragen von Kunden und Partnern nach 3D-Druckern, Materialien, bedarfsorientierten Bauteilen und dem Kundendienst erfüllt. Trotz der „Stay at home”-Anordnung kann dieser Bedarf im Moment weiterhin gedeckt werden. Hiervon ausgenommen ist der Service vor Ort, der nur eingeschränkt verfügbar ist.

Das Unternehmen reagiert auch in anderer Weise auf die Covid-19-Krise. Stratasys steigert die Produktion von 3D-Druck-Materialien, um sein umfassendes Partnernetzwerk zu unterstützen.   Außerdem hat das Unternehmen die Materiallizenzen für viele seiner High-End-Drucker, die während dieser Zeit zur Herstellung der Visiere verwendet werden, kostenlos bereitgestellt.

Globale Initiative zur Entwicklung eines Beatmungsgeräts

In der kommenden Woche wird eine Initiative unter der Leitung von Anästhesisten des Massachusetts General Hospital unter dem Namen CoVent-19 Challenge gestartet. Dabei werden Ingenieure und Konstrukteure gebeten, bei der Entwicklung eines neuen, schnell einsetzbaren Beatmungsgeräts und anderer innovativer Lösungen für den Mangel an Beatmungsgeräten zu helfen. Stratasys unterstützt den Wettbewerb und macht ihn unter den Anwendern von GrabCAD bekannt.

Auch HP schließt sich mit seinen Kunden und Partnern zusammen, um in der Coronakrise die HP-3D-Drucker für die Herstellung wichtiger Komponenten zu nutzen.

3D-gedruckte Covid-19-Maske
Masken aus den 3D-Druckern von HP sollen medizinisches Personal schützen (Bild: HP).

Mehr als 1.000 3D-gedruckte Teile wurden bereits an Krankenhäuser in einigen Ländern ausgeliefert. Die 3D-Forschungs- und Entwicklungszentren von HP in Barcelona (Spanien), Corvallis (Oregon, USA), San Diego (Kalifornien, USA) und Vancouver (Washington, USA) arbeiten mit Partnern auf der ganzen Welt zusammen, um die Produktion zu steigern und die dringendsten Anforderungen zu adressieren. Zu den ersten Anwendungen, die für die industrielle Produktion validiert und finalisiert werden, zählen Gesichtsmasken, Gesichtsschutzschilde, Maskenadapter, Nasenabstriche, berührungslose Türöffner und Bestandteile für Atemschutzmasken. Darüber hinaus kooperiert HP mit Regierungs- und Gesundheitsbehörden sowie der Industrie in zahlreichen Ländern, um einen synchronisierten und effektiven Ansatz zu gewährleisten.

„HP und unsere Partner aus der digitalen Fertigung arbeiten sind im Dauereinsatz, um die Auswirkungen dieses Virus zu bekämpfen. Wir sind grenzüberschreitend und branchenübergreifend aktiv, um die am dringendsten benötigten Teile zu identifizieren, die Designs zu validieren und sie im 3D-Druck zu produzieren“, sagt Enrique Lores, Präsident und CEO, HP Inc. „Unsere Anerkennung gilt unseren Mitarbeitern, Partnern, Kunden und den Mitgliedern unserer Community für ihre unermüdlichen Bemühungen, die medizinischen Fachkräfte zu unterstützen, die an vorderster Front kämpfen.“

3D-Druck von Teilen unterstützt im Kampf gegen Covid-19

Ziel des globalen HP-Netzwerks ist es, 3D-gedruckte Teile in jeder Region der Welt verfügbar zu machen. Zu den ersten Anwendungen, die validiert und produziert werden, zählen:

  • Ein Frei-Hand-Türöffner: Türgriffe gehören zu den am stärksten keimbelasteten Objekten in Häusern, Krankenhäusern, Fabriken und Altenheimen. Der Adapter ermöglicht ein einfaches und hygienischeres Öffnen mit dem Ellbogen.
  • Tragehilfe für Masken:  Viele Krankenhausmitarbeiter müssen über lange Zeiträume Masken tragen. Der Adapter verbessert den Komfort und lindert die damit häufig verbundenen Ohrenschmerzen.
  • Gesichtsschutz: Gesichtsschutzschilde gehören zum am dringendsten benötigten persönlichen Schutz. Halterungen, die den Schild halten und sich dem Träger bequem anpassen, sind eine entscheidende Komponente.
Ein 3D-gedrucktes Beatmungsgerät soll im Notfall Leben retten (Bild: HP).

Weitere Anwendungen befinden sich in der Test- und Validierungsphase und werden voraussichtlich in Kürze produziert, darunter:

  • Mechanische Notfallbeatmung: 3D-gedruckte Komponenten für ein mechanisches Beatmungsgerät, das für die kurzfristige Notfallbeatmung von Covid-19-Patienten vorgesehen ist. Das vereinfachte Design ermöglicht ein robustes und weniger komplexes Gerät, das eine schnelle Produktion und Montage sicherstellt.
  • FFP3 Gesichtsmasken: Wirksame Schutzausrüstung ist für die medizinischen Dienstleister erforderlich, um die Masse der erwarteten Covid-19-Patienten zu behandeln. HP validiert derzeit mehrere Gesichtsmasken in Krankenhausqualität – wir gehen davon aus, dass die in Kürze verfügbar sind.

Zahlreiche Komponenten-Designs verfügbar
HP und seine Partner stellen über diese Webseite die validierten Design-Dateien für viele der Teile, die keine komplexe Montage erfordern, zum Download zur Verfügung. 3D-Designer und -Innovatoren, die sich dem Kampf gegen Covid-19 anschließen möchten, können auf dieser Webseite neue Anwendungen und Ideen einbringen.

 

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2 Comments

  1. K. Ackermann

    Es ist ja schön, dass sie diese Teile zum freien Download anbieten.
    Leider können nur die wenigsten damit was anfangen, da die Modell nicht in einem Format wie xxx.SAT oder xxx.STEP angeboten werden die dann auch von anderen und unterschiedlichen 3D-CAD Programmen gelesen werden können.

    • Ralf Steck

      Hallo Herr Ackermann,

      die Daten sind wohl einfach dafür gedacht, gedruckt zu werden, wie sie sind. Und dafür reichen STL-Daten. CAD-Daten finden sich sicher irgendwo.

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