Stratasys: Neue Materialien für den 3D-Druck: Elastomer, PEEK, Cyan

Ich hatte ja versprochen, noch über die Formnext-News von Stratasys in Sachen Materialien zu berichten. Die Pressekonferenz war insgesamt sehr interessant, nicht zuletzt wegen dem neu vorgestellten LPM-Verfahren, mit dem Stratasys den Metall-3D-Druck revolutionieren will. Neben einigen interessanten Zahlen und einer Personalie gab es auch Neuigkeiten in Sachen Druckmaterialien. Stratasys bietet nun auch ein TPU-Material mit Shorehärte 92 an sowie neue Farbmaterialien für die Polyjet J7xx-Reihe und PEEK für die FDM-Druckerbaureihe.

Mit dem neuen Stratasys TPU 92A Elastomer für die F123 3D-Drucker lassen sich realistische Gummiteile drucken (Alle Bilder: Stratasys).

Andy Middleton, 3D-Druck-Urgestein und seit vielen Jahren Leiter des EMEA-Geschäfts bei Stratasys, teilte in seiner Eröffnung mit, dass in Europa mehr als 11.000 aktive Stratasys-Systeme bei Industriekunden im Einsatz sind, weltweit laufen über 50.000 Anlagen. Middleton übergibt seinen Posten an Andreas Langfeld, der seit 2009 in verschiedenen Positionen bei Objet, Makerbot und Stratasys tätig ist. Langfeld nannte weitere Zahlen zum Europageschäft: Stratasys arbeitet in Europa mit 50 Vertriebspartnern zusammen und beschäftigt hier 160 Mitarbeiter. Interessante Nebenbemerkung: Stratasys kann nun Materialien anbieten, die nach EN 45545 zertifiziert werden und so die Brandschutzanforderungen im Eisenbahnbereich erfüllen.

Zehavit Reisin, Vice President und Head of Solutions and Materials Business bei Stratasys, stellte die neuen Materialien vor. Das neue Stratasys TPU 92A Elastomer für die F123 3D-Druckerplattform und auch beim Druckdienstleister Stratasys Direct Manufacturing verfügbar, bietet eine hohe Elastizität und Chemikalienbeständigkeit. Es wird mit wasserlöslichem Supportmaterial gedruckt, das die Präzision der Teile sicherstellt – sie können beim Drucken nicht zusammensacken oder sich verformen, weil das harte Supportmaterial sie stützt.

„Die Entwicklung von Elastomerteilen mithilfe von herkömmlichen Silikon- oder CNC-Spritzgussformen ist kosten- und zeitintensiv. Gleichzeitig sind wir der Ansicht, dass andere additive Techniken nicht die Produktionsteile in der Größe und Komplexität liefern können, die wir mit unserem Elastomeransatz verfolgen“, sagte Reisin. „Hersteller fordern 3D-Drucklösungen, die für ein echtes Prototyping und unter extremen Fertigungsbedingungen eingesetzt werden können. Sie wollen zuverlässige und höchst widerstandsfähige Produktionsteile und unsere Lösungen sind darauf ausgelegt, den Kunden genau das zu ermöglichen.“

Materialien für Polyjet: CMYK komplett, weißes elastisches Material

Gummiartiger Deckel, klare Flasche – die Vielfalt der Teile, die sich inzwischen drucken lässt, ist faszinierend.

Stratasys kündigte außerdem eine Reihe neuer Materialien für die PolyJet-3D-Drucker J750 und J735 an. Zu diesen zählen fünf neue Materialien, durch die Gummi, Leder und Kunststoff imitiert werden können. Diese äußerst realistischen Prototypen sollen Designern die Möglichkeit geben, beispielsweise Innenraumteile für Autos sehr realistisch herzustellen.

Das Gummimaterial Agilus30 White ahmt Produktionsteile wie gummiartige Dichtungen und Versiegelungen für Automobilhersteller nach und lässt sich für farbintensive Modelle wie Prototypen von Sportartikeln, Unterhaltungselektronikkomponenten oder Spielzeug beziehungsweise Figuren einsetzen. Durch die Mischung von festen und weichen Materialien ermöglicht Agilus30 White das Herstellen einer großen Bandbreite realitätsgetreuer Prototypen mithilfe eines einzigen Druckers. Als jüngstes Mitglied der Agilus-Farbfamilie, zu der auch lichtdurchlässige und schwarze Farben gehören, schafft Agilus White höchste Detailtreue. Dies ist von größter Bedeutung für Branchen wie der Medizintechnik, in der echtes Weiß für Medizinprodukte gefordert wird. Zudem lässt sich Agilus30 mit den Vero-Materialien zusammen drucken, um so realistische Darstellungen von Leder oder Stoffen zu erzeugen.

VeroVivid Cyan komplettiert das Farbspektrum CMYK der J750 und J735 und ermöglicht den Druck von über 500.000 unterschiedlichen Farben – einschließlich lichtundurchlässiger, flexibler sowie transparenter Materialien. Mithilfe von VeroVivid Cyan und des neuen VeroFlexVivid lassen sich realistische Prototypen für Märkte wie Konsumgüter, Verpackungen und Brillen drucken. Mit der Unterstützung der erweiterten GrabCAD Print-Farbprofile können Entwickler mit verbesserter Farbwiedergabe „drucken, was sie sehen“.  Das nutzen die Anwender auch, mehr als zwei Drittel davon nutzen die Möglichkeiten des Vollfarbdrucks auf den 735/750-Anlagen.

Stratasys bietet PEEK mit Temperaturbeständigkeit bis 150 Grad

Zwei Drittel der J735/J750-Besitzer nutzen die Möglichkeiten des Vollfarbdrucks.

Für die F900 3D- Drucker bietet Stratasys einen auf PEKK basierenden FDM-Thermoplast namens Antero 800NA an. Dieses Material ist chemikalienbeständig, besitzt extrem niedrige Ausgasungseigenschaften und weist eine hohe Hitzebeständigkeit bis 150 Grad auf – ideal für Luft- und Raumfahrtanwendungen. Reison sagte zur Anwendung in der Aerospace-Industrie: „Ultem in der Kabine, Antero draußen.“

MED625FLX ist ein biokompatibles Material, das sich für zahnmedizinische und kieferorthopädische Anwendungen wie Indirekt-Bonding (IDB) und implantologische Anwendungen eignet. Das jetzt sowohl für den Objet260 Dental als auch für Objet260/500 Dental Select 3D-Drucker erhältliche Material ist auf die erweiterte Indirekt-Bonding von Trägern ausgelegt, da es die Möglichkeit bietet, direkt flexible IDB-Träger zu drucken. Kieferorthopäden können dadurch die Zeiten für die Anpassung von Zahnspangen um bis zu 75 Prozent und die Laborkosten für die Herstellung um etwa 40 Prozent senken.

Die Palette von Materialien für den 3D-Druck wird immer größer und die Anwendungen entsprechend breiter. Nicht zu unterschätzen ist dabei die Bedeutung der Zertifizierung der Materialien – ohne diese werden funktionale Teile nie den Weg in die reale Anwendung finden.

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