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Cube Pro Duo von 3D Systems: Gemischte Gefühle

Seit Anfang des Jahres habe ich hier als Leihgabe der Coffee GmbH einen 3D-Drucker aus der Profiliga stehen, den Cube Pro Duo von 3D Systems. Meine Erfahrungen mit dem Gerät sind zwiespältig, ehrlich gesagt hatte ich mir von einem Drucker, der mit etwa 3.500 Euro preislich in der Profiliga spielt, etwas mehr erwartet. Die technischen Daten und ersten Erfahrungen habe ich hier schon einmal beschrieben, in diesem Post soll es nun um die Vor- und Nachteile des Geräts gehen.

Grundsätzlich ist die Druckqualität des Cube Pro Duo sehr gut. Links oben die Supportstruktur.
Grundsätzlich ist die Druckqualität des Cube Pro Duo sehr gut. Links oben die Supportstruktur.

Einige dieser Probleme haben gar nicht mit diesem Druckermodell zu tun, sondern mit den grundsätzlichen Problemen des 3D-Drucks in seiner heutigen Form. So ist es sehr schwierig, mehrfarbige Objekte zu drucken – der Cube Pro Duo hat schließlich zwei Extruder. Da das STL-Format keine Farbinformationen transportiert, muss das Druckmodell aus zwei STL-Modellen bestehen, die nacheinander in die Cubify-Software geladen werden und dann zur Deckung gebracht werden müssen. Das ist alles andere als intuitiv.

Das nächste Problem, das mich viel Zeit und Ärger gekostet hat, ist das Warping von ABS. Ich hatte zwei Rollen mit ABS für den Test zur Verfügung. ABS ist zwar ein sehr geeignetes Material für den FDM-3D-Druck, es hat allerdings die unangenehme Eigenschaft, sich beim Abkühlen zu verziehen, was wiederum dazu führt, dass sich viele Drucke von der Druckplattform lösen. 3D Systems arbeitet mit einem Klebestifft, mit dem man die Bauplattform einstreicht, und heizt den gesamten Bauraum während des Drucks auf 90°C auf. Trotzdem löste sich mindestens ein Drittel der Druckversuche von der Plattform, was wieder einen misslungenen Druck bedeutete. Bei einem weiteren signifikanten Teil der Drucke lösten sich Ecken ab, was zu Biegungen in der Oberfläche führt.

Ein Raft hilft, die Ablösung des Druckobjekts zu verhindern.
Ein Raft hilft, die Ablösung des Druckobjekts zu verhindern.

Dieses Problem haben alle Drucker, die ABS verarbeiten können, mit einem Raft oder einem Brim – einer dünnen Unterlage oder einem „Kragen“, der die Oberfläche vergrößert – kann man dem Ablösen entgegenwirken. Das bedeutet aber wieder einmal, dass man sich einige Gedanken machen muss, welche Form das Teil hat, wie man es drucken will und wie man Ablösen verhindert – siehe auch meinen Artikel „3D-Druck: Trial and Error statt Fire and Forget“.

Warum ich hier so streng bin? Der Cube Pro wendet sich explizit und auch im Preis an den Profianwender. Doch solche Anwender, die den 3D-Drucker als Werkzeug nutzen, haben weder Zeit noch Muße für Fehlversuche und endlose Testreihen. Soll ein 3D-Drucker ein sinnvoller und effizienter Teil des Produktentwicklungsprozesses sein, muss er sich einfach bedienen lassen und keinen Ärger machen. Da gelten für mich andere Maßstäbe wie an einen Drucker, der sich explizit an 3D-Druck-Enthusiasten wendet. Für die ist der Weg das Ziel und es ist kein Beinbruch, wenn vor dem ersten perfekten Druck eine längere Suche nach den richtigen Druckparametern steht.

Cube Pro Duo: Solider Drucker mit Schwächen bei der Software

Diese Seite erscheint, wenn man mit dem Browser die WLAN-Adresse des Cube Pro Duo besucht.
Diese Seite erscheint, wenn man mit dem Browser die WLAN-Adresse des Cube Pro Duo besucht.

Der Cube Pro ist an sich ein tolles Gerät, das solide aufgebaut ist und sehr genau arbeitet. Doch einige Dinge sind mir negativ aufgefallen: So besitzt der Drucker ein WLAN-Modul, mit dem er sich in ein WLAN einklinken kann, dann lassen sich Druckdateien drahtlos an den Drucker senden. Ruft man im Browser jedoch die IP-Adresse des Druckers auf, findet man sich auf einer Beispielseite des Herstellers des WLAN-Moduls wieder. 3D Systems hat es leider versäumt, hier eine Weboberfläche zu implementieren, über die man den Drucker steuern und überwachen kann, vielleicht sogar mit einer Webcam, die das Video des Druckvorgangs streamt.

Wie das geht, zeigt die Open Source-Software Octoprint, die den Drucker komplett per Webinterface nutzbar macht. Eine vergebene Chance, finde ich, zumal die Hardware ja im Prinzip vorhanden ist. So kann man zwar die Druckdatei über das Netzwerk an den Drucker senden, muss dann aber trotzdem an das Gerät gehen, um den Druck zu starten. Zudem ist die WLAN-Übertragung so langsam, dass es mehr Sinn macht, die Druckdatei auf einen USB-Stick zu speichern und am Drucker einzustecken.

Zweites Ärgernis ist die Cubify-Software: Die Bedienung ist sehr gewöhnungsbedürftig, es fehlt beispielsweise eine Möglichkeit, Modelle mit der Maus zu platzieren, stattdessen muss man in der Menüleiste mit vielen Klicks X- oder Y-Bewegungen anstoßen. Hat man einen Menüpunkt aktiviert, muss man ihn erst wieder ausschalten, bevor man etwas anderes anklicken kann – eher ungewöhnlich.

So klappt das nicht: Einzelne Stützsäulen unter den Scharnierröhrchen.
So klappt das nicht: Einzelne Stützsäulen unter den Scharnierröhrchen.

Beim Aufbau der Support beobachtete ich einzelne Fehler, die den Druck unbrauchbar machen – soll eine Struktur „in der Luft“ gedruckt werden, reicht eine einzelne Supportsäule in der Mitte einfach nicht aus. In der neuesten Cubify-Version 1.52 wurde an den Supports gearbeitet, jetzt werden mehrere Supportpfeiler angelegt, aber wieder nicht an der untersten Stelle. So wird das wieder nix mit dem Druck. Bei einem Drucker, der GCode verarbeitet wie die meisten preiswerten Geräte, würde ich nun auf einen anderen Slicer ausweichen und nachsehen, ob der diese Stelle besser meistert. Das ist beim Cube Pro aufgrund des proprietären Dateiformats allerdings nicht möglich.

Auch nicht besser: Die neueste Cubify-Version (hier die Druckbahnenansicht) setzt mehr Stützen, aber nicht an der untersten Stelle.
Auch nicht besser: Die neueste Cubify-Version (hier die Druckbahnenansicht) setzt mehr Stützen, aber nicht an der untersten Stelle.

Mein Fazit: Auch ein Profidrucker unterliegt den Beschränkungen, die das STL-Format und die FDM-Technologie mit sich bringen, 3D-Druck erfordert einige Erfahrung, besonders wenn es um ABS geht. Der Cube Pro Duo ist grundsätzlich ein toller Drucker, 3D Systems sollte allerdings die Software an die üblichen Bedienungsstandards anpassen und weiterhin Fehler ausmerzen.

Und eine Weboberfläche zur Bedienung und Überwachung wäre wirklich eine wichtige Abrundung dieses Geräts. Ich wünsche mir jedenfalls eine Webcam, meinetwegen als Option. Die Möglichkeit, im Browser „mal schnell“ nachzusehen, wie der Druck läuft, ist ein wichtiges Komfortmerkmal, auch und gerade im professionellen Einsatz, wo man den Drucker eher nicht auf dem Schreibtisch, sondern irgendwo in einem Nebenraum stehen hat.

 

3 Comments

  1. Steve Flaig

    Zuverlässigkeit, Software (Bullshit-Slicer), Wartbarkeit Filamentführung) und Ersatzteile-Support schlichtweg unterirdisch, das passt alles perfekt zusammen. Wir haben das Dreieinhalb-Tausend-Euro-Teil (Cube Pro Duo, gekauft Dezember 2015) mittlerweile verschrottet. Finger weg!

  2. Andreas Kretzschmar

    Überteuerter Bastelsatz!
    So wie geliefert sind einfach keine befriedigenden Drucke möglich. Zuerst habe ich mit PLA experimentiert. Wenn das Material zu lange im Drucker bleibt, zerlegt es sich in kurze Stücken und verstopft den Extruder. Ich mußte den Förderschlauch und mehrmals den Extruder ausbauen, um die Bruchstücken zu entfernen. Danach dann jedesmal eine zeitaufwendige Justage. Inzwischen liefert 3DSystems neue Kartuschen mit „Frischhaltesystem“. Schön transparent damit jeder sieht ob das Filament schon von selbst zerbröselt ist. Aber kein Wort dazu warum. Ich hatte um die 60% Luftfeuchtigkeit im Raum und teilweise bist 30°.Ich vermute ein Austrocknen des Filaments. Es gibt auch eine Fehlermeldung, wenn ich versuche ABS mit PLA als Stützmaterial zu drucken. Bei ABS wird die Kammer stark geheizt, was dann wohl zum Austrocknen des PLA führen würde.
    Mit ABS geht es ein bisschen besser, aber die Modelle haften teilweise so stark auf der Druckplatte, das ich sie gewaltsam abschaben muß. Stundenlanges Baden im heißen Wasser hilft da auch nicht.Das hinterläßt natürlich Spuren auf der Druckplatte.
    Der nächste Punkt ist die grottige Slicer Software „Cube Pro“. Ich erstelle Modelle mit Solidworks und kann nur *.STL fehlerfrei einlesen. Bei *.3mf kommt es immer zu Fehlermeldungen oder seltsamen Ergebnissen (ein Teil wird wieder in Einzelteile zerlegt)
    Ich kann mich auch wegen der Qualität der Ausdrucke ( immerhin ein Gerät aus der Profiklasse) nur dem Kommentar von Steve Flaig anschließen : Finger weg und keine grauen Haare bekommen!

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