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Wartet die Welt auf einen Pizzadrucker?

Ich schenke Ihnen eine Geschäftsidee – Berichterstattung darüber ist  garantiert, ob Sie damit reich werden, ist allerdings weniger sicher. Man nehme: Irgendein Thema oder Produkt, 3D-Druck, Kickstarter und eine Designsoftware. Daraus mixe man einen neuen 3D-Drucker, erstelle ein paar schöne Bilder und eine Website dazu und stelle das Ganze auf Kickstarter. Neuestes Beispiel: Der Foodini.

Unstrukturierte Formen drucken? Dazu braucht es keinen 3D-Drucker (Bild: Natural Machines).
Unstrukturierte Formen drucken? Dazu braucht es keinen 3D-Drucker (Bild: Natural Machines).

Kickstarter listet 112 Projekte, wenn man nach „3d printer“ sucht, dabei sind allerdings einige Filme und abgebrochene Projekte. Nichtsdestotrotz bleibt eine große Zahl von Projekten, die eines gemeinsam haben – entweder sind sie auf besonders einfache Bedienung ausgelegt oder sie verarbeiten ein besonderes Material. Wie man beim  BarillaNudeldrucker gesehen hat, ist keine Idee zu abstrus, um nicht breitflächig in den Medien zu erscheinen.

Ob der Drucker Sinn macht oder nicht – wenn erst einmal die Hunderttausende per Kickstarter eingesammelt sind – und solche Projekte finden sich zuhauf – kann man wieder im Bastelkeller verschwinden und das Kapital gemütlich verbrennen. Nun möchte ich niemand unterstellen, eine Kickstarter-Kampagne nur wegen des Geldes zu starten und ohne feste Absicht, ein echtes Produkt zu entwickeln – ich glaube nämlich an das Gute im Menschen.

Das macht schon mehr Sinn - ansprechend gestaltete Lebensmittel aus den Drucker.
Das macht schon mehr Sinn – ansprechend gestaltete Lebensmittel aus den Drucker.

Auf der anderen Seite ist mir gerade beim Foodini aufgefallen, dass es mehr erfordert als die oben genannten Zutaten, um wirklich eine Innovation auf den Markt zu bringen. Der Foodini – ein 3D-Drucker für Lebensmittel – beinhaltet, soweit ich sehe, nichts tatsächlich Neues, außer der Aussage, dass er es ermöglicht, gesünderes Essen zu produzieren. „Pastruder“, also Extruder für pastöses Material, gibt es jedenfalls schon genug. Abgesehen von Plätzchen oder Schokolade zeigt die Website Produkte, bei denen mir nicht klar wird, wofür man dazu einen 3D-Drucker kaufen soll. Pizza oder Burger sind nun einmal unstrukturierte Massen – man wellt den Teig zu einer irgendwie runden Form aus und gießt Tomatensauce drauf. Das kann ich mit einem Wellholz und einem Löffel besser als mit einem 3D-Drucker. Anders stellt es sich bei den ebenfalls gezeigten Weihnachtsplätzchen oder essbaren Essschälchen. Aber auch das ist nicht neu.

Hoffentlich ist das Gerät wenigstens extrem einfach zu bedienen, dann hätte es ja doch eine Berechtigung. Ich will eigentlich auch gar nicht auf einem bestimmten Projekt herumhacken, ich habe jedoch das Gefühl, dass wir schon jetzt in einer Art „Me-Too“-Phase sind, in der Massen an ähnlichen Produkten auf den Markt kommen. Dabei ist noch so viel Spielraum für Innovation an 3D-Druckern. Zumindest im Low-Price-Segment sind wir noch weit entfernt von „Fire-and-Forget“-Maschinen, die man mal schnell anwirft, um qualitativ hochwertige Produkte auszudrucken. In Sachen Genauigkeit, Zuverlässigkeit und einfacher Bedienung ist noch genug zu tun, konzentrieren wir uns doch lieber darauf, statt immer noch abstrusere Projekte zu starten.

Vielleicht muss man wirkliche Innovationen doch den Großen überlassen, ich bin jedenfalls sehr gespannt, was HP später in diesem Jahr im 3D-Druckerbereich präsentieren wird.

 

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