Onshape und Magic Leap: Kooperation für Augmented Reality-3D-CAD

Ich habe mir schon vor längerem Gedanken über eine fundamentale Diskrepanz der 3D-CAD-Modellierung gemacht, unter anderem auch aus Anlass der Vorstellung von Microsofts AR-Brille HoloLens: Man arbeitet an dreidimensionalen Modellen und benutzt dazu 2D-Werkzeuge wie Bildschirm oder Monitor. Zwar bietet der Markt Lösungen wie 3D-Mäuse oder 3D-Monitore. Onshape-Gründer Jon Hirschtick hat nun auf einer Konferenz des AR-Systemherstellers Magic Leap eine Vorschau auf eine Lösung präsentiert, in der man offensichtlich tatsächlich direkt am virtuellen Modell arbeiten kann.

Onshape-App für Magic Leap

Die Onshape-App für Magic Leap ermöglicht das gemeinsame Arbeiten an einem CAD-Modell (Bild: Onshape).

Die neue CAD-App wird für die Magic Leap One Creator Edition entwickelt, einen leichten, tragbaren Computer, mit dem digitale Inhalte aus dem Bildschirm in die reale Welt gelangen können. Das System besteht aus drei Bestandteilen:

  • der AR-Brille Lightwear, die mit teildurchsichtigen Brillengläsern ausgestattet ist. Zusammen mit den Sensoren an der Brille, die dem Gerät die dreidimensionale Orientierung im Raum ermöglicht, ist es so möglich, die reale Umwelt mit digitalen Modellen zu überlagern. Zudem sind an der Brille Kopfhörer angebracht, die Raumklang erzeugen können.
  • dem tragbaren Rechner Lightpack, der am Gürtel, getragen und von einem LI-Ion-Akku drei Stunden mit Strom versorgt wird. Der Rechner basiert auf einer einer Kombination von zwei Nvidia-Prozessoren, einem Parker ARM-System-on-a-chip (SOC) mit zwei 2 Denver 2.0 64-bit Kernen und vier ARM Cortex A57 64-bit Kernen sowie einer Pascal-GPU mit 256 Cuda-Kernen.
  • der Macic Leap Control, einem VR-Controller, mit dessen Hilfe vortuelle Objekte manipuliert werden können.

Das folgende Video zeigt, wie sich kontextsensitive digitale Objekte und Objekte aus der realen Welt vermischen, wenn man durch die Linsen des Magic Leap One Lightwear-Headsets schaut:

Aber was haben psychedelische Quallen, fliegende Schildkröten und UFOs mit Ingenieuren zu tun? Die Space-Computing-Plattform von Magic Leap ist nicht nur für Spiele und Unterhaltung gedacht. Mit der CAD-App „Onshape for Magic Leap“, die sich noch in der Entwicklung befindet, können Ingenieure 3D-CAD-Modelle in Lebensgröße in ihre physische Umgebung einbringen und gemeinsam mit Kollegen an Konstruktionsänderungen arbeiten. Jon Hirstick zeigte einen Ausblick auf die App auf der diesjährigen LEAP Conference in Los Angeles (Start bei 2:40:00):

Hirschtick stellte fest, dass CAD-Anwender seit Jahrzehnten mit ihren 3D-Modellen über einen flachen digitalen Bildschirm interagieren. CAD in die reichhaltige, immersive Umgebung von Magic Leap zu bringen, ist für ihn der nächste logische Schritt, da sich Ingenieure mit ihren Modellen genauso beschäftigen können wie mit den echten Endprodukten.

Magic Leap und Onshape ermöglichen Echtzeit-Zusammenarbeit in der virtuellen Realität

Hirschticks Vision hört sich sehr interessant an: „Stellen Sie sich vor, Ihr Technikteam überprüft das neueste Design für ein Rennauto. Mit dem Magic Leap One können Sie das Auto direkt auf den Konferenztisch stellen, unter die Motorhaube sehen und den Motorblock untersuchen. Dann lassen Sie das Auto über ihren Köpfen schweben und prüfen die Auspuffanlage.“

„Die neue Onshape-App unterstützt Live-3D-Bearbeitung von CAD-Modellen, wobei Designänderungen in Echtzeit über das Magic Leap-Gerät aktualisiert werden“, sagt Hirschtick. „Dies ist viel mächtiger und wirkungsvoller, als nur statisch, bereits fertiggestellte zModelle zu sehen. Und mit den Echtzeit-Collaboration-Tools unseres modernen CAD-Systems können sogar Teammitglieder in verschiedenen Teilen der Welt sofort die Aktualisierungen der jeweils anderen sehen. “

„Onshapes Cloud-CAD-System über Magic Leap anzubieten, wird eines Tages so selbstverständlich erscheinen wie das Design auf Laptops, Smartphones und Tablets“, fügt er hinzu. „Wir sind stolz, der Zeit voraus zu sein, indem wir Ingenieuren Zugang zu Tools bieten, die sie sonst nirgendwo finden können, Tools, die ihnen helfen, ihre kreativen Grenzen zu überschreiten und bessere Produkte zu entwickeln.“

„Das Spatial-Computing-Universum hat das Potenzial, jede Branche zu verändern“, sagte Magic Leap-CEO Rony Abovitz in einer Pressemitteilung. „Zusammen mit unseren anderen Entwicklungspartnern hilft Onshape uns, neue Anwendungen und Märkte für Magic Leap One zu entdecken. Ich freue mich darauf, ihnen zu helfen, die Welt des Designs und der Herstellung weiter zu verändern. “

Viel Vorschusslorbeeren. Ich bin gespannt, die Manipulationswerkzeuge – quasi die Button- oder Ribbonleisten – der Software zu sehen. Im Video selbst sind nur Striche zu sehen, keine Werkzeuge, mit denen man das 3D-Modell manipuliert. Ich denke, das wird der Knackpunkt, der entscheidet, wie wir in Zukunft arbeiten: Finden wir intuitiv bedienbare Oberflächen beziehungsweise Bedienelemente für VR? Und nicht zuletzt ist nach wie vor unklar, ob und wie man einen ganzen Tag mit der VR-Brille auf der Nase arbeiten kann oder wie sich dieses Werkzeug in den Arbeitsalltag integrieren wird. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass es sich nur um eine Ergänzung, nicht um einen Ersatz für den heutigen Konstrukteursarbeitsplatz handelt. Aber ich lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen.

 

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