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Statusmeldung – NX 10 zum Anfassen und in Breitwand

Nachdem mir der Teamcenter-Teil wegen der vielen Infos zu lang geraten war, musste ich die Neuerungen von NX 10 in einen weiteren Beitrag verlagern. Die PLM Europe war die richtige Veranstaltung, um geballte Informationen über das Produktportfolio von Siemens PLM Software zu gewinnen. Nach Eric Sterlings Teamcenter-Update zeigte NX-Verantwortlicher Jim Rusk in seiner Keynote einen Ausblick auf die demnächst kommende NX-Version 10.

Am Rande der Veranstaltung erfuhr ich übrigens, dass Siemens im Augenblick sehr stark von der engen Zusammenarbeit mit Daimler profitiert, weil die Anwender dort recht genaue Vorstellungen zu haben scheinen, welche Funktionalitäten sie wirklich benötigen und welche sie beim Umstieg von Catia auf NX vermissen. Rusks Entwicklertruppe ist anscheinend recht fix in der Umsetzung, wovon auch Anwender aus anderen Firmen und Branchen profitieren.

Siemens PLM Software prüft bei der Priorisierung der Entwicklung die Auswirkungen auf verschiedene Branchen.
Siemens PLM Software prüft bei der Priorisierung der Entwicklung die Auswirkungen auf verschiedene Branchen.

Rusk zeigte, dass Siemens PLM Software ein ausgefeiltes Priorisierungssystem für Neuerungen im CAD-System hat, in dem unter anderem abgeprüft wird, welche aus einer Reihe von Schlüsselbranchen von einer neuen Funktion profitieren – je breiter eine Neuerung wirkt, desto höher die Priorität in der Entwicklung. So stellt man unter anderem sicher, dass ein Mammutprojekt wie die Daimler-Migration nicht dazu führt, dass andere Branchen aus dem Fokus geraten.

Eine dieser Neuerungen – die nach meinem Gefühl ein Beispiel für die positive Daimler’sche Beeinflussung ist – findet sich im Freiformflächenbereich mit der Weiterentwicklung des Subdivisional Modeling. Die Realize Shape-Technologie ermöglicht es, durch sehr einfache Operationen sehr schöne Oberflächen zu erzeugen. Man beginnt mit einem Grundkörper oder – neu in NX 10 – zwei Randkurven, zwischen denen man eine Fläche aufspannt. Diese Flächen teilt man dann in Unterflächen und kann nun die Knotenpunkte zwischen den Flächen anpacken und ziehen. Paul Brown zeigte dies an einem Gehäuse für einen Elektrofuchsschwanz, bei dem er eine Symmetriefunktion dazu benutzte, um beide Gehäuseseiten gleichzeitig zu erstellen. Mit „Zusammennähen“ ließen sich zwei Flächenverbünde miteinander verbinden, durch Löschen einzelner Flächen und Erstellen einer „Brücke“ zwischen den Schalen entstand mit wenigen Handgriffen das Griffloch des Gehäuses.

An Realize Shape gefällt mir sehr, dass das Freiformflächenmodellieren im Kontext des parametrischen 3D-Modells abläuft, das Gehäuse wächst also gleichsam um die Mechanik im Innern herum. So lassen sich Design und Mechanik sehr schön verbinden.

Mit Beifall aus der Anwenderschaft wurde die neue Unterstützung von mehreren Monitoren in NX 10 bedacht. Nun lassen sich beispielsweise das Active-Workspace-Fenster oder eine Renderansicht auf einen zweiten Bildschirm verlagern, um dem Blick aufs Modell nicht zu verstellen.

Jim Rusk ist stolz auf das neue Modul 2D Layout.
Jim Rusk ist stolz auf das neue Modul 2D Layout.

Für die Anordnung von Baugruppen in einem Zusammenbau sehr hilfreich ist das neue Modul NX 10 Layout. Bei Getriebebauern oder anderen Ingenieuren, die zu einem Großteil rotationssymmetrische Teile konstruieren, wird viel „auf der Mittellinie“ gearbeitet; das heißt, das Layout der Anlage entsteht in einer 2D-Ansicht, die nur aus Mittellinien und parallelen Strichen für die Kontaktflächen besteht. Erst später werden diese Linienskizzen mit 3D-Modellen ausgefüllt. Im Falle des Elektrofuchsschwanzes zeigte Brown aber, dass es auch in solchen Produkten sehr produktiv sein kann, in 2D zu arbeiten. Hier waren die 2D-Bauteile schon mit 3D-Pendants hinterlegt, eine Geometrieänderung berücksichtigte die Abhängigkeiten des 3D-Modells.

Auch im Bereich CAE gibt es Neuigkeiten, unter anderem kann NX CAE nun das Delaminieren von Compositewerkstoffen unter Last zu berechnen. Auch die im ersten Artikel erwähnte Simulation einer Verpackungsmaschine zeigt, zu was Simulation heute in der Lage ist.

Mit Line Designer erbt NX 10 Funktionalität von Tecnomatix, innerhalb des CAD-Systems lassen sich nun Fertigungsstraßen effizienter entwickeln. Noch ist bei der Übergabe dieser Daten an das „große“ Fabrikplanungstool Tecnomatix eine Schnittstelle beteiligt, Jim Rusks sagte jedoch im Interview, dass diese Schnittstelle in der Zukunft verschwinden wird. Anscheinend arbeitet Siemens an allen Ecken und Enden daran, die verschiedenen, von Unigraphics/UGS übernommenen Systeme zusammenzubringen und Funktionalität übergreifend nutzbar zu machen. So landet die HD3D-Technologie, die in Teamcenter und NX entstanden ist, nun auch in Tecnomatix.

Sehr schön war eine Demonstration der Modellierung im Touch-Modus, das verwendete Video ist leider noch nicht frei verfügbar. Mit wenigen einfachen Zusatzfunktionen wie einer Lassoauswahl und einem numerischen Touchpad hat Siemens es geschafft, CAD touchfähig zu machen. Respekt.

 

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