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Tradition und Moderne – vereint bei Morgan Motor

Nach dem Aussteigen, als ich gefragt wurde, wie es war, musste ich erst einmal das passende englische Wort suchen – „awesome“ ist zu amerikanisch, „good“ oder „great“ viel zu schwach. Für meine erste Fahrt in einem Morgan Threewheeler ist mir schließlich „hilarious“ eingefallen – wahnsinnig, lustig, zum Schreien. Der Fahrtwind knallt, durch eine winzige Scheibe eher der Form halber etwas verwirbelt, voll ins Gesicht; die Straße wörtlich zum Berühren nahe, peilt man über die knapp unter Kopfhöhe frei vor einem stehenden Vorderräder, dabei immer den Stereosound des V2-Motors aus den beiden Auspuffrohren von hinten im Ohr. Und das Gerät geht ab wie die sprichwörtliche Schmitt’sche Katze, die Straßen um das Morgan-Werk in Malvern Link waren zum Glück zu eng, um allzu viel Unfug anzurichten.

Das Mekka der Morgan-Fans: Die Fabrik in Malvern Link.
Das Mekka der Morgan-Fans: Die Fabrik in Malvern Link.

Archaischer kann das Fahrerlebnis nicht sein – dabei wurde der neue Threewheeler mit modernsten Entwicklungswerkzeugen umgesetzt. Morgan Motor hat begriffen, dass die Marke beziehungsweise deren Image das wichtigste Betriebsvermögen ist, und mit dem Threewheeler den ursprünglichen Markenkern wieder zum Leben erweckt.

Nun hat sich seit 1909, als Harry Morgan den ersten Threewheeler, ein Dreirad mit dem Motor vorn und einem angetriebenen Hinterrad, vorstellte, einiges getan. Das Fahrzeug ist nicht mehr Transportmittel, sondern ein reines Spaßgerät. Und so müssen die fast 45.000 Euro, die der Winzling hierzulande kostet, anders gerechtfertigt werden. Deshalb war bei der Konstruktion des Fahrzeugs die Optik sehr wichtig.

Threewheeler wartet auf den Einsatz

Jonathan Wells, Chefdesigner von Morgan Motor, arbeitet mit Autodesk-Produkten, so wurden Alias, Showcase und 3ds Max beim Design eingesetzt. In der Mechanikkonstruktion arbeitet Morgan dagegen mit Catia. Wells entwickelte aus dem Urmodell eine neue Interpretation des Ur-Dreirades, die dann auf Basis des Alias-Modells mit einer Fünfachsfräse in Lebensgröße in Styropor gefräst wurde. Dieses Urmodell wurde dann manuell nachbearbeitet und die Änderungen durch einen 3D-Scan wieder in die digitale Welt zurückgeführt.

Klassischer Kutschenbau.

Auch bei der Präsentation auf dem Genfer Automobilsalon vertraute Morgan Motors auf Autodesk, diesmal auf einen Konfigurator auf Basis von Vred. Dieser arbeitet nicht, wie üblich, mit „Abziehbildern“, die im Konfigurator übereinandergelegt werden, wenn beispielsweise andere Felgen gewählt werden, sondern rendert ein echtes 3D-Modell. Das ist schon deswegen notwendig, weil Morgan nicht nur eine Reihe von Standardfarben anbietet, sondern zusätzlich die freie Farbwahl. Die Kunden können das Modell auf dem Bildschirm zudem frei drehen, die neue Ansicht wird in wenigen Augenblicken gerendert.

Welsh kann erstaunliche Zahlen nennen: Das gesamte Projekt von der ersten Idee bis zur Präsentation auf der Messe wurde von einem elfköpfigen Team in nur 18 Monaten abgeschlossen. Das auf Basis der digitalen Daten erstellte Material war zudem so überzeugend, dass Morgan noch vor dem Bau des ersten Threewheelers über 200 Fahrzeuge verkaufte – für ein kleines Unternehmen auch finanziell extrem wichtig, da so der Bau der Fahrzeuge schon durch Anzahlungen gedeckt ist.

Der Redakteur im Glück.
Der Redakteur im Glück.

Auch bei den anderen Fahrzeugen setzt Wells stark auf die digitale Entwicklung, so zeigte es sich, dass das Heck des neuen Aeromax-Prototypen optisch etwas „herabhing“. Das Ändern dieser Optik war dank des digitalen Modells kein Problem. So verbinden sich bei Morgan traditioneller Fahrzeugbau mit Eschenholz und Aluminium sowie digitale Entwicklungstools aufs Fruchtbarste.

 

 

1 Comment

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