SolidThinking Converge: Bionische Formen erobern den Alltag 1

Beim Besuch von Simulations-Anwendertagungen bin ich immer wieder verblüfft, wie breit die Palette der Anwendungsbeispiele ist. Das war bei der SolidThinking Converge am 17. Oktober 2017 in Essen nicht anders: Von der Baustelle der Sagrada Familia in Barcelona bis hin zu bionischer Formgebung am Beispiel von Plankton reichte das Vortragsspektrum. Highlight für mich als Autofreund: Ein Youngtimer spielte eine besondere Rolle.

Der 3i-Print-Caddy

Vorhang auf für ein interessantes Autokonzept: Der 3i-Print-Caddy hat seinen Auftritt bei der Converge 2017 (Bild: Altair).

Der VW Caddy passt eigentlich nicht so richtig in mein Beuteschema, aber mit den Veränderungen, die Altair, APWORKS, csi entwicklungstechnik, EOS, GERG und Heraeus in einem Gemeinschaftsprojekt dem Wagen angedeihen ließen, wird er fast schon interessant. Der gesamte Vorderwagen wird von einem 3D-gedruckten Gitterrohrrahmen verstärkt, der gleichzeitig weitere Aufgaben übernimmt. So ist unter anderem Kühler, ein Reservoir für die Scheibenwaschanlage sowie der Speicher der Klimaanlage in den Rahmen integriert. Der Altair-Anteil an dem Projekt ist vor allem die Topologieoptimierung auf Basis von realen Crash-Lastdaten aus der Automotive-Industrie – so wiegt die gesamte Struktur nun lediglich 34kg. Der 3i-Print-Caddy hatte auf der Converge einen spektakulären Auftritt.

Die Konferenz wurde von Altairs Chief Marketing Officer Jeff Brennan eröffnet. Das übergeordnete Thema der folgenden Vorträge von Zaha Hadid, Sagrada Famìlia, Faraone und Stephan Henrich Robotikdesign und Architektur war die Nutzung der Simulation für das Erschaffen stabiler und gleichzeitig schöner Strukturen – bionische Formgebung scheint einen ganz tiefen, emotionalen Eindruck auf den Menschen zu machen – und bietet gleichzeitig einen optimalen Kompromiss zwischen Steifigkeit und Materialverbrauch. Weitere Vorträge kamen von thyssenkrupp Elevators, PROTIQ und der TU Dresden, hier reichte die Bandbreite von Aufzügen mit elektromagnetischem Antrieb bis zu textilverkleideten Prothesen.

3i-Print Caddy

Der Vorderwagen des Caddy basiert auf einem nur 34 Kilo schweren Rahmen, der viele Funktionen in sich vereint (Bild: csi Verwaltungs GmbH).

Am Nachmittag folgten zwei Master Classes, in denen zwei Projekte praxisnah durchgearbeitet wurden: Zum einen zeigte Designer Turi Cacciatore, wie er 3D-Druck und Virtual Reality in einem Designprojekt zusammenbringt, zum anderen zeigten Stefan Hermann von csi entwicklungstechnik sowie Armin Widhammer und Sven Lauxmann von Apworks, wie der Rahmen des 3i-Print-Caddy entstand.

Zwei weitere Keynotes beschlossen den Tag: Chad Zamler, Marketingleiter bei solidThinking, zeigte Inspire Unlimited, Altairs beziehungsweise SolidThinkings Cloudplattform für die Produktentwicklung. Die Lösung kann auf der verlinkten Website gleich ausprobiert werden. Den Abschluss bildete der inspirierende Vortrag von Sebastian Möller vom ELiSE-Projekt am Alfred-Wegener-Institut, der die Schalen von Planktonorganismen untersucht, um Inspirationen für besonders leichtgewichtige Formen zu bekommen. ELiSE (Evolutionary Light Structure Engineering) ist ein Entwicklungsprozess, der diese Prinzipien nutzbar macht und bionische Struktur anhand der Planktonformen automatisch erzeugt.

Sagrada Familia auf der Altair Converge

Antoni Gaudi arbeitete schon im Jahr 1882 mit bionischen Formen (Bild: Altair).

Wie sich zeigte, erobern bionische Strukturen immer mehr den Alltag. Ich finde diese Entwicklung toll – man kann die Bionik durchaus als Verbeugung der Ingenieurwissenschaften vor dem größten aller Ingenieure – der Natur – verstehen. Es ist doch faszinierend, dass die elaboriertesten aller Simulationen am Ende immer wieder Strukturen ergeben, die wir in der Natur überall finden.

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