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Autodesk University Darmstadt: Die Zukunft der Fertigung

Am Nachmittag des 23. Oktober veranstaltete Autodesk auf der AU Darmstadt eine Podiumsdiskussion zum Thema „The Future of Making Things“ – Die Zukunft der Fertigung, von der ich einige beschreibenswerte Gedanken mitgenommen habe Hier findet sich übrigens der erste Teil der Berichterstattung von der Autodesk University .

Die Teilnehmer:

Roland Zelles, Geschäftsführer von Autodesk Central Europe

Dr. Ellen Walther-Klaus, Geschäftsführerin der Plattform „MINT – Zukunft schaffen

Denise Schindler, Para-Cyclistin und Weltcup-Sieger Straßenrennen 2012, sowie Felix Wellmer, Reha-Technik Wellmer und Schmidbauer

Dr. Karl Reinhard Kolmsee, CEO von Smart Hydro Power

Florian Horsch, 3D-Enthusiast und Autor von „3D-Druck für alle

und Helena Heuser, Maschinenbaustudentin und Teilnehmerin bei der Formula Student.

Später kam noch Autodesk-CEO Carl Bass hinzu.

 

v.l.: Holger Paul, Helena Heuser, Florian Horsch, Karl Rainer Kolmsee, Denise Schindler, Felix Wellmer, Roland Zelles und Karl Bass.
v.l.: Holger Paul, Helena Heuser, Florian Horsch, Karl Rainer Kolmsee, Denise Schindler, Felix Wellmer, Roland Zelles und Karl Bass.

Holger Paul, Wirtschaftsredakteur bei der FAZ, stellte die Teilnehmer vor und bat sie um ein Eingangsstatement, schnell ergab sich ein reges Gespräch. Horsch gab sich überzeugt: „3D-Druck wird die Herstellung zukünftiger Dinge revolutionieren, dabei werden sie nicht nur individueller, sondern schlichtweg besser [als konventionelle Massenware].“

Dr. Kolmsee stellte sein Kleinstwasserwerk als Ergebnis eines globalisierten Prozesses dar – der aber nicht, wie sonst üblich, Menschen aus Industrieländern verbindet, sondern die dritte Welt beinhaltet: „Die Zukunft ist Gegenwart, wenn Ideen des Kleinbauern Pedro aus dem kleinen peruanischen Urwald-Dörfchen Marisol mit Hilfe der Ingenieurin Mary aus Sydney und des Produktdesigners Michael aus Darmstadt zu einem Produktdesign werden, das in der Werkstatt, die Pedro alle zwei Monate in Tarapoto besucht, gefertigt wird.“ Aktuelle 3D-Druckmaterialien können die technischen Anforderungen nicht erfüllen, deshalb sieht Kolmsee die Simulation als wichtiger für seinen Konstruktionsprozess an.

Individualisierte Prothesen

Denise Schindler, unterschenkelamputierte Rennradlerin, beschrieb ihre Hoffnung auf individualisierte, schnell zu fertigende Prothesenschäfte – wichtig zum einen für den Leistungssportler, dessen Stumpf sich fortwährend wegen Muskelaufbau, Beanspruchung und anderer Faktoren verändert, zum anderen für die Massen-Einzelfertigung von Prothesen, die diese preiswerter und auch für ärmere Weltgegenden erschwinglicher machen würde. Früher habe man mit einer Prothese leben müssen, inzwischen nutze man für jede Sportart eigene, spezialisierte Prothesen. Das erhöhe die Leistungsfähigkeit, sei aber sehr teuer wegen der vielen Handarbeit. Schindler verspricht sich vom 3D-Druck preiswertere Alternativen.

Ihr Prothesenbauer Felix Wellmer war deutlich schwankend angesichts der Möglichkeiten, die CAD und der 3D-Druck bieten: Einerseits war er begeistert, dass verschieden harte Polsternmaterialien in einem Teil gedruckt werden können, andererseits sieht er Gefahren für seinen Berufsstand durch die individualisierte Massenfertigung beziehungsweise glaubt nicht, dass diese den erfahrenen Handwerker ersetzen kann.

Dr. Walther-Klaus kümmert sich darum, dem Nachwuchs MINT schmackhaft zu machen (Bild: Dr. Walther-Klaus).
Dr. Walther-Klaus kümmert sich darum, dem Nachwuchs MINT schmackhaft zu machen (Bild: Dr. Walther-Klaus).

Dr. Walther-Klaus sieht die Gefahr, dass Technologien wie CAD und 3D-Druck die digitale Kluft noch weitaus tiefer werden lassen – Auf der einen Seite stehen Menschen, die IT nur in Form von Facebook & Co. nutzen, auf der anderen Seite diejenigen, für die Programmieren, 3D-Modellierung und/oder 3D-Druck keine Fremdworte sind. Der Unterricht in Schulen vernachlässige nach wie vor das Begeistern der Kinder und Jugendlichen für die MINT-Fächer. Sie machte darauf aufmerksam, dass es auch schon vor den jetzt hochgehypten Fablabs schon offene Werkstätten gab. Dieses Prinzip findet sie sehr gut und ausbauenswert.

Erfrischend war der Auftritt der „Jungkonstrukteurin“ Helena Heuser, die einen interessanten Zugang zum Maschinenbau gefunden hat: Nicht unbedingt die Begeisterung für Technik, sondern für das logische Denken ist ihr Antrieb. In der Schule hatte sie Spaß an Mathematik und Latein, das mit seiner komplexen, formalisierten Grammatik dem logischen Denken entgegenkomme. Inzwischen ist sie vier Jahre im Formula Student-Team der RWTH Aachen, wo moderne Konstruktionsmethoden schon alleine aufgrund des Zeitdrucks eine große Rolle spielen.

Roland Zelles sprach über die Spark-Initiative, mit der Autodesk die Entwicklung preiswerter 3D-Drucker fördern will. Ein wichtiger Punkt dabei ist, dass bei den meisten Druckern proprietäres Material des jeweiligen Herstellers zum Einsatz kommt. Die hohen Materialpreise hemmen die Entwicklung dieser Geräte – Bei Spark sind die Materialien Open Source, die Eigenschaften und Zusammensetzungen werden veröffentlicht, um eine Weiterentwicklung zu ermöglichen.

Ein wichtiger Gesichtspunkt kam von Horsch: Der 3D-Druck gibt Startups dieselben Möglichkeiten an die Hand wie Großkonzernen – früher war der Einsatz von Kunststoffteile in Kleinmengen schwierig, weil der Formenbau so teuer war. Mit 3D-Druck bietet sich hier eine Alternative, die „Waffengleichheit“ mit großen Unternehmen mit großen Budgets herstellt.

Moderne Technologien bringen Waffengleichheit

Unterstützung bekam er unter anderem vom später hinzugestoßenen Autodesk-CEO Carl Bass, der ein interessantes Beispiel nannte, eine handgeführte Oberfräse, die sich in ihrem Gestell bewegen und einem Bleistiftstrich genauer folgen kann als der Mensch es vermag – die Maschine besitzt dabei die Intelligenz, der Mensch führt die Maschine nur noch grob. Solch eine Fräse kann von einem „Einzelkämpfer“ erfunden werden und den Oberfräsenmarkt revolutionieren.

Ich kann das Gesagte nur unterstreichen. 3D-Druck ist kein Allheilmittel, aber ich bin mir sicher, dass wir immer mehr hybride Produkte sehen werden, bei denen die meisten Teil aus herkömmlicher Massenproduktion stammen, aber bestimmte Teile – beispielsweise ein Griff – individuell auf den Käufer zugeschnitten aus dem 3D-Drucker kommen. Die Zukunft der Fertigung besteht für mich aus Vernetzung, Intelligenz und Individualisierung – hört sich stark nach Industrie 4.0 an :-).

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