Im November wurde bekannt, dass PTC Thingworx und Kepware an den Private-Equity-Investor TPG verkauft, der Deal wurde kürzlich abgeschlossen. TPG wiederum gründete Velotic und integrierte dort neben den beiden Neuzugängen das von GE Vernova ebenfalls kürzlich erworbene Industriesoftwaresystem Proficy. Warum gibt PTC einen Bereich ab, den man 2014 noch als „the next big thing“ gefeiert hatte?
Das Unternehmen hat über viele Jahre rund um sein CAD-System Pro/Engineer, später Creo, diverse Softwarepakete zugekauft, beispielsweise zur Verwaltung von CAD-Daten (PLM), Software (ALM) und Simulationsdaten (SLM). In den frühen 2010er Jahren erlebte das Thema IoT und smarte Devices einen Boom und PTC sah einen Zukunftsmarkt in der Entstehung. Wie man damals dachte, zeigt diese Keynote von PTC-CEO Jim Heppelmann von 2014 sehr gut.
Ende 2013 kaufte das Unternehmen folgerichtig den IoT-Pionier ThingWorx, Ende 2015 folgte die Akquisition von Kepware, einem System, das Daten aus den unterschiedlichsten (Maschinen-)Datenquellen sammeln aggregieren und verwalten kann. Drittes System im Bunde war Vuforia, das AR/VR-System, das die Schnittstelle zwischen IoT und dem Menschen sein sollte – wie hier in einem der ersten PTC-Demos mit KTM. Anscheinend soll Vuforia allerdings bei PTC bleiben – das System beziehungsweise die Anwendungsfälle, die PTC zeigte, machten in den letzten Jahren einen Wandel durch – hin zur Schnittstelle zwischen PLM und Mensch, weg vom IoT-Thema.
Ist IoT nun tot? Sicher nicht, es hat sich nur nicht als die singuläre, wichtige Technologie erwiesen, für die man es damals hielt. IoT ist heute selbstverständlicher Enabler für die digitale Fertigung, ohne den die Daten nicht von der Maschine zum Nutzer kommen – vor Ort und weltweit. IoT ist Teil einer Infrastruktur, nicht der Endpunkt. Das mag dazu beigetragen haben, dass PTC das Interesse an dieser Technologie verloren hat.
Das Unternehmen stellt sich mit dem Verkauf nicht neu auf, sondern besinnt sich auf seine Wurzeln in der Produktentwicklung. Dass die dort entstehenden Daten heute in einem größeren Kontext verstanden und genutzt werden, ist eine andere Sache. Kepware und ThingWorx passten nie ganz in das Portfolio.
Zudem spült der Verkauf Geld in die Taschen von PTC – bei genauem Hinsehen sind es nicht 725 Millionen US-Dollar, abzüglich Earn-Out, Steuern und Transaktionskosten bleiben aber immer noch 375 Mio. Dollar, wie meine Kollegin Monica Schnitger schön herausgearbeitet hat. Bei etwa 100 Mio. Dollar für Kepware (2015) und 112 Mio. Euro für ThingWorx (2013) – auf heutige Kaufkraft übersetzt etwa 295 Mio. Euro – bleibt ein nettes Plus übrig.
Interessant ist übrigens auch die Führungsmannschaft des neuen Unternehmens Velotic: Brian Shepherd (ehemals bei PTC und Rockwell) fungiert als CEO, Jim Heppelmann (ehemaliger CEO und Chairman von PTC) als Executive Chairman. Es sieht aus, als ob am Ende alle glücklich seien: PTC mit Geld in der Tasche und einem geschärften Profil, TPG mit einem schönen neuen Unternehmen und einige interessante Figuren der Branche mit neuen Jobs.