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SolidWorks World Tag 1: Es wird elektronisch und wolkig

[Update: 2. Februar 23:00 Uhr: Klarstellung der Verfügbarkeit der X-Produkte] Der erste Tag der SolidWorks World in Dallas brachte viele Neuheiten: bringt neue Produkte für die MCAD-integrierte Elektronikentwicklung und die Cloudprodukte XDrive und XDesign. Zusätzlich wurden neue Lizenzmodelle angekündigt. SolidWorks-CEO Gian Paolo Bassi begrüßte 8.000 Teilnehmer an der General Session, von denen allerdings 2.400 lediglich virtuell anwesend waren und den Videostream verfolgten. Mit 5.600 „realen“ Teilnehmern bewegt sich die diesjährige Veranstaltung im Rahmen der letzten Jahre.

Bernard Charles zeigte sich mit der Arbeit von Gian Paolo Bassi zufrieden.

Bassi interpretierte den SolidWorks-Slogan „Make great things happen“ mit dem ersten Teil „Make great things“ als Hinweis auf die Kreativität, die der Konstrukteur in sein neues Produkt einbringt. Das letzte Wort „happen“ zeige, dass die Umsetzung der Ideen in reale Produkte für SolidWorks ebenfalls sehr wichtig sei. Wichtig für den Unternehmenserfolg sei jedoch in der heutigen Zeit auch die Plattform, die alle erfolgreichen Firmen – er nannte Google, Uber und AirBnB – hätten. Auch SolidWorks hat mit der 3DExperience eine solche Plattform: „Welcome to the age of the platform!“

Der als nächster auftretende Dassault Systèmes-CEO Bernard Charlès lobte Bassi und seine Mitarbeiter für ihre gute Arbeit, SolidWorks trägt über eine Milliarde Dollar an reinen Softwareumsätzen zum Dassault-Ergebnis bei. Die Zukunft besteht für ihn nicht nur aus Innovation, sondern auch aus den zugehörigen Businessmodellen. Er brachte Videobeispiele von Firmen, die komplette, integrierte Entwicklungsumgebungen auf Basis der 3DExperience nutzen. Dazu gehört für ihn untrennbar die weltweite Zusammenarbeit über die Cloud. Auch Chief Strategy Officer Monica Mengini stieß in das selbe Horn und sprach über die Experience Economy.

Neue Welten – Innovation und Business bringen Erfolg.

Bassi zeigte dann einige Beispiele von Visualisierungen, die mit SolidWorks Visualize – dem über RTT zu Dassault gekommenen Bunkspeed – erstellt wurden. Dann kam die erste spannende Neuigkeit: SolidWorks ist eine Partnerschaft mit dem Elektronik-CAD-Anbieter Altium eingegangen, deren Lösung PCBWorks in dieser Partnerschaft weiterentwickelt wurde und im zweiten Quartal 2016 unter dem Namen SolidWorks auf den Markt kommt. Das Produkt besteht aus zwei Teilen (eigentlich drei, eine Serverkomponente arbeitet im Hintergrund): SolidWorks PCB ist eine Fusion aus Altium- und SolidWorks-Software und dient als PCB-Entwicklungsumgebung. Von SolidWorks hat die Software nicht nur die Oberfläche geerbt, sondern auch die Fähigkeit, bestückte Leiterplatten dreidimensional darzustellen.

Die zweite Komponente nennt sich SolidWorks PCB Connector for Altium und bindet SolidWorks an PCB an – im Prinzip nach wie vor so, wie ich es hier für PCBWorks beschrieben habe. Das letztere Produkt geht in SolidWorks PCB auf und verschwindet vom Markt. Nach wie vor verfügbar ist der Konnektor zwischen dem Vollprodukt Altium Designer und SolidWorks, der von Altium angeboten wird. Auch CircuitWorks, das EDA-Software über Standardschnittstellen anbindet, bleibt im Angebot, so dass SolidWorks-Anwender nach wie vor mit anderen EDA-Produkten arbeiten können – die nahtlose, bidirektionale Integration von SolidWorks PCB wird allerdings dort nicht erreicht.

SolidWorks World zeigt Mechatronik richtig gemacht

SolidWorks hat hier einen echten Coup gelandet. PCB arbeitet mit SolidWorks Electric zusammen, damit hat das Unternehmen als einziger Anbieter eine wirklich integrierte Lösung mit MCAD, Elektrik und Elektronik im Programm.

PCBWorks bringt MCAD, Elektro- und Elektronikentwicklung zusammen.

Bassi teilte das SolidWorks-Portfolio in drei Bereiche ein: Das bestehende Desktop-Produkt, die Connected-Reihe mit den „Halb-Cloud“-Lösungen Conceptual und Industrial Design und die neuen Online-Produkte. Hier stellte er zwei  Neuentwicklungen vor, die diesen Sommer ins Betastadium eintreten und vorauassichtlich im Laufe des Jahres 2017 auf den Markt kommen werden: XDrive und XDesign. XDrive ist eine Online-Speicher- und Collaboration-Lösung, die in allen Subscriptions enthalten sein wird. Jeder Lizenzinhaber erhält 5GByte Speicher in der 3DExperience-Cloud, in die er direkt aus SolidWorks heraus Modelle abspeichern und sie wieder von dort öffnen kann. So kann ein Team von Entwicklern an einem Datenpool arbeiten.

XDesign ist ein sehr interessantes, komplett im Browser laufendes, eigenständiges Produkt, das einerseits zum Skizzieren verwendet werden kann. Andererseits ist eine Generative-Design-Funktion enthalten, in der man nur Angriffspunkte und Kräfte definieren muss, aus denen die Software dann selbst eine optimale Form zur Verbindung dieser Punkte berechnet. Brand UX Leader Kishore Boyalakuntla passte die generierte Form an, indem er Blöcke in das Modell hineinmodellierte, um die herum die neue Geometrie dann „wuchs“ – eine sehr elegante Art, die automatisch generierte Geometrie anzupassen.

Die neuen Lizenzmodelle bieten für jeden etwas.

Zum anderen kann XDesign vorhandene Geometrien finden. Man definiert eine grobe Form und lässt die Software dann in 3DContentCentral suchen, ob dort passende Modelle vorhanden sind. Die Suche berücksichtigt dabei Geometrie, Metadaten und andere Ähnlichkeiten. Dann lässt sich die Grobgeometrie auf Knopfdruck durch eines der Suchergebnisse ersetzen.

Die Skizzierfunkion wandelt mit dem Finger gezeichnete Kringel und Linien in Kreise und Geraden um, die sich dann extrudieren und zu 3D-Modellen umwandeln lassen. Viele Elemente wie das Rollback im Featurebaum erinnern an SolidWorks-Funktionalität, das Branching und Merging, also das Ableiten von Varianten und das Vereinigen dieser Varianten in den Hauptentwicklungszweig dagegen an Onshape. Insgesamt fand ich die Präsentation gelungen. SolidWorks konnte bisher im Cloudbereich nicht viel vorweisen, hat sich mit den X-Produkten jedoch eindrucksvoll zurückgemeldet. Die Modellierfunktionen – so lässt sich ein extrudiertes Feature einfach in eine Austragung entlang eines Pfades (Sweep) umwandeln – zeigten bereits eine große Reife.

In XDesign lassen sich „reiche“ 3D-Modelle erstellen, also Fertigungsinformationen am Modell anbringen. Die Betaphase startet im Mai, unter xdesign.solidworks.com kann man sich jetzt schon dafür eintragen.

Neues Lizenzmodell: SolidWorks kann man bald nicht nur kaufen, sondern auch quartals- oder Jahresweise mieten. Zudem bietet SolidWorks nun seine Online-Test-Lösung, bei der das CAD-System komplett in einer Remote-Session im Browser läuft, weltweit an, Eventuell entwickelt sich hieraus auch ein Produkt, das ließ Bassi offen. Auch hier holt SolidWorks zur Konzurrenz auf, die solche Modelle schon länger anbietet.

Soviel für heute, stay tuned for more news, wie der Amerikaner sagt.

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