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Rapid Tech: 3D-Druck-Familientreffen mit kleinen Lücken

Gestern starteten die Schwestermessen Rapid Tech und 3D in . Die Ausstellerzahl ist gegenüber dem Vorjahr (145) kräftig gewachsen, 176 Aussteller präsentierten ihre Produkte und Dienstleistungen. Die Messeleitung erwartet rund 4.000 Fachbesucher und mehr als 700 Kongressteilnehmer aus Europa und Übersee. Auf diese wartet eine sehr komplette Palette von Anbietern aus dem 3D-Druckbereich, unter anderem 3D Systems, Concept Laser, EOS, Keyence, Materialise, SLM, Stratasys und zum ersten Mal Trumpf. Auch igus zeigte seine immer imposantere Palette von Bauteilen und Werkstoffen für 3D-Drucker. Mir fehlt trotzdem etwas an dem Erfurter Messekonzept.

Sieger bei der Standfläche war Stratasys, insgesamt prägten kleine Stände das wuselige Bild der .

War vor zwei Jahren die Fabcon – die sich laut Messegesellschaft sowohl „semiprofessionelle Anwender und kreative Start-ups als auch Experten und Branchen-Größen“ adressiert, noch im Forum angesiedelt, so sind alle Messestände nun alle in einer Halle und es ist kaum mehr eine Trennung zur Rapid Tech – die auf „Anwender und Entwickler generativer Fertigungstechnologien“ zielt – zu spüren. Echte „Bastelbuden“, die kaum veränderte RepRap-Derivate präsentieren, sind nicht mehr zu finden, die Szene professionalisiert sich zusehends.

Das zeigt sich unter anderem auch daran, dass beispielsweise bei iGo3D mit dem Lasersintergerät Sintratec und dem Form 2-SLA-Printer Geräte zu sehen waren, die nicht mit dem im Low-End-typischen FDM-Verfahren arbeiten. Allerdings liegen die genannten Geräte mit über 4.000-5.000 Euro auch deutlich über den Preisen, die aktuell für preiswerte FRM-Drucker aufgerufen werden. Das weitere Angebot von iGo3D zeigte ebenfalls exemplarisch, wohin die Reise geht: Der bq Hephestos erinnert noch am deutlichsten an die offenen RepRaps, Ultimaker und Zortrax sind mit ihren geschlossenen Gehäusen weit professioneller aufgebaut.

Die ehemaligen Anbieter aus dem semiprofessionellen Bereich professionalisieren sich deutlich, so bieten sie inzwischen beispielsweise auch Beratung und andere Dienstleistungen an. Es ist deutlich zu spüren – die ganz preiswerten Geräte laufen direkt aus China über ebay oder über kleine Internetshops an die -Enthusiasten, die größeren Anbieter aus dem unteren Bereich weichen nach oben aus.

Um eine Plaza in der Hallenmitte gruppieren sich die Schwergewichte wie Trumpf, igus, EOS und Materialise.

Und da ist ja noch viel Luft nach oben, die ersten Geräte der großen Anbieter sind weit teurer, beispielsweise der Stratasys Mojo mit etwa 7.000 Euro. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich im Segment zwischen 2.000 und 4.000 Euro ein unteres, schon industriell nutzbares Portfolio von FDM- und anderen Druckern etabliert.

Mit MagiGoo präsentierte der maltesische Anbieter Thought3D erstmals in Deutschland einen Kleber für Druckplatten. Der MagiGoo sieht aus wie ein überdimensionaler Filzmarker und besitzt eine breite Spitze, mit der sich das Material wie ein Film auf die Druckplatte auftragen lässt, Der Stift kann auf Glas, Kapton und anderen Materialen und für den Druck von PLA wie ABS einsetzen. Der Trick: Das Material hält bei den typischen Heizbetttemperaturen das Druckobjekt bombenfest, beim Abkühlen löst sich das Objekt dann von selbst. Ich habe einen Magigoo mitbekommen und werde es testen.

Ebenfalls abstauben konnte ich eine Probe des neuen Materials WillowFlex von 3dk.berlin. Dabei handelt es sich um ein fklexibles Filament mit einer Härte von 92 Shore/A, das auf PLA haftet, wodurch gemischt harte und weiche Bauteile erzeugt werden können. Sobald mein Mendel90 auf den neuen, flexgeeigneten Extruder umgerüstet ist, werde ich auch hier Tests fahren. Ich habe schon ein sehr interessantes Einsatzgebiet im Kopf.

Das CAE-Forum war erstmals mit seinem Fachforum vertreten, auf dem ich einen Vortrag zum Thema „10 Tipps für den Einstieg in den industriellen 3D-Druck“ halten durfte. Analog zur Konferenz der Rapid Tech präsentierte die Fabcon 3D auf der „3D-Printing Conference“ die aktuellen Trends und Technologien.

Rapid Tech: Enges Messekonzept verhindert den Blick auf den Prozess

Hunger? Bei Stratasys gab es – nicht essbares – Sushi zu bewundern.

So weit, so gelungen, nicht? Im Prinzip ja, für die 3D-Druck-Community sind die Rapid Tech und die Fabcon 3D ein echtes Familientreffen, und der Kongress bietet wirklich hochklassige Informationen. Viele kleine Stände bietet auch kleineren Anbietern ein Umfeld, in dem sie sich präsentieren können. Nichtsdestotrotz fehlt mir – wie im gesamten 3D-Druck-Thema – der Prozessgedanke. 3D-Druck oder auch Rapid Manufacturing stehen nicht für sich alleine, sondern sind Teil eines Prozesses, der bei CAD beginnt, über die Optimierung und Berechnung hin zum 3D-Druck führt und der übrigens im Falle der Fertigung weitergeht. Oberflächenbehandlung, Fräsbearbeitung, Coating, Lackieren – je mehr 3D-Druck den industriellen Einsatz erreicht, desto wichtiger wird die Nachbearbeitung. Selbst der Maker schneidet Gewinde in 3D-gedruckte Teile. Und hier ist die Erfurter für meinen Geschmack zu monothematisch angelegt.

Das kann man als Messekonzept durchaus so definieren, ich finde es etwas kurz gesprungen. Warten wir auf die Formnext, dort dürfte der Prozess mehr im Mittelpunkt stehen. Trotzdem: Erfurt ist eine Reise wert, wenn man sich für 3D-Druck interessiert.

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