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bq Witbox 2: Gelungene Neuauflage des Düsenjägers

Die erste Witbox des spanischen Herstellers durfte ich im letzten Sommer testen, der Bericht dazu findet sich hier. Nun erreichte der Nachfolger Witbox 2 meinen Schreibtisch. Die erste Auflage war sowohl positiv wie auch negativ aufgefallen: Stabil, zuverlässig, aber sehr laut. Ein einfach zu entnehmender Drucktisch, autonomes Drucken mit SD-Kartenleser, Display und Bedienknopf sowie das umfangreiche Zubehör waren weitere Pluspunkte.

Anscheinend nur noch in weiß erhältlich: Die von bq (Bild: bq).

Nun präsentieren die Spanier die zweite Generation ihres Druckers, der in einigen entscheidenden Punkten Besserung verspricht. Und tatsächlich fällt gleich beim Einschalten auf, dass die Witbox 2 nur noch einen Gehäuselüfter hat. Dieser lässt sich zudem in den Einstellungen komplett abschalten, so dass nur noch das typische Fahrgeräusch des 3D-Druckers übrig bleibt.

Wie schon bei der ersten Version liegt der Witbox 2 ist das Zubehör umfangreich: Ein gedrucktes Handbuch, ein Kilo PLA-Filament, Düsenreinigungsnadeln und Werkzeug. Statt des Ersatzhotends legt bq inzwischen mehrere Teflon-Inliner ein – das dürfte auch das wichtigste Ersatzteil für das Hotend sein. Vor der Inbetriebnahme müssen die aus Plexiglas bestehenden Seitenwände und die ebenso durchsichtige Deckscheibe montiert werden, zudem ist im Innern eine massive Transportsicherung aus Aluminium zu entfernen. Diesmal sind statt der PLA-Schonfüße solche aus flexiblem Filament beigelegt, die den Drucker wirkungsvoller von der Standfläche entkoppeln.

Bedleveling ist serienmäßig bei der Witbox 2

Das Druckbett ist ebenfalls aus Kunststoff und dreilagig – die metallene Zwischenlage deutet auf die zweite große Neuerung hin: Bedleveling. Am Druckkopf der Witbox 2 ist ein induktiver Sensor angebracht, mit dessen Hilfe der 3D-Drucker vor jedem Druck sein Bett vermisst. Die Grundkalibrierung funktioniert mechanisch, das heißt, der Drucker fährt bestimmte Positionen an und der Anwender stellt mit Hilfe der Nivellierschrauben das Bett so ein, dass die LED am Sensor gerade angeht.

Hinten am neuen Extruder ist der flache, weiße Levelingsensor angebracht (Bild: bq).

Vor jedem Druck wird ein überprüfendes Bedleveling vom Drucker ausgelöst – das ist eine reine Überprüfung, ohne dass der Anwender eingreifen muss. Ausgelöst wird dies durch die Druckerfirmware, nicht wie sonst üblich über den Startcode des GCode-Programms. Das hat unter anderem zur Folge, dass auch vor dem Filamentwechsel sinnloserweise gelevelt wird. Wem dies nicht gefällt, der kann auch das Bedleveling abschalten und bei Bedarf in seinen Startcode integrieren. Auch in der Benutzeroberfläche des Druckers ist ein Eintrag für das Bedleveling vorhanden.

Einen Nachteil hat die Verwendung eines induktiven statt eines kapazitiven Sensors allerdings: Dieser reagiert nur auf metallische Oberflächen, also auf die Zwischenschicht des Druckbetts. Dies ist solange egal, wie man keine dicken Beläge wie FR4-Platten oder Buildtak auf dem Druckbett montieren möchte. Da der Sensor quasi durch die Platte und die obere Schicht des Druckbetts hindurchmisst auf die metallische Zwischenschicht, wird die zusätzliche Schicht beim Bedleveling nicht berücksichtigt und die Düse kommt zu tief herab.

Allerdings hafteten PLA-Drucke im mit Hilfe des im Handbuch empfohlenen und zum Test zur Verfügung gestellten 3DLac – was nichts anderes als umgelabeltes Haarspray zu sein scheint – nahezu immer. Einige größere Drucke lösten sich zunächst ab, nach dem Mitdrucken eines Brim – eines mehrere Runden um das Objekt gelegten, einschichtigen Rands – war auch dieses Problem gelöst.

Das helle Display und die grafische Marlin-Oberfläche vereinfachen die Bedienung.

Die dritte Neuerung ist eine weiße LED-Beleuchtung des Gehäuses, die das Arbeiten im Drucker sehr erleichtert. Nach einer gewissen Zeit schaltet sich die Beleuchtung selbst ab, lässt sich aber durch leichtes Drehen des Bedienknopfs wieder anschalten, beispielsweise zur Fortschrittskontrolle bei längeren Drucken.

Die letzte Neuerung ist eine grafische Benutzeroberfläche für das Display. Eine „normale“ Marlin-Firmware zeigt im Display lediglich eine Liste von Texteinträgen, bq hat die Oberfläche nun auf Symbole umgestellt – und stellt die Neuerungen unter der Creative Commons-Lizenz der Gemeinschaft zur Verfügung. Das ist sehr löblich – schließlich nutzt bq ebenfalls OpenSource beziehungsweise Open Hardware-Komponenten wie die Marlin-Firmware und die RAMPS-Elektronik. Letztere ermöglicht es übrigens, eigene oder andere Firmwares aufzuspielen, der Hersteller setzt dem bastelinteressierten Besitzer also keine künstlichen Grenzen.

Der neue Extruder sorgt für bessere Druckergebnisse

Auf der bq-Website lassen sich Slicerprofile für Cura 15.04 und 15.06 sowie für Slic3r sowie die Programme selbst herunterladen. Neben den drei Qualitätsstufen Niedrig, mittel und hoch liefert bq bei Cura noch spezielle Profile für Filaflex-, BronceFill- und Woodfill-Filament sowie ein „FullHD“-Profil für ultrahohe Auflösungen mit 0,05 Millimeter Schichthöhe. Die Testmodelle wurden mit dem unveränderten Profil „High Definition“ und 0,1 Millimeter Schichtdicke gedruckt.

Viele kleine Detaillösungen wie die neue Filamentführung machen die Witbox 2 zu einem gelungenen Update.

Im Drucktest schlug sich die Witbox weit besser als der Vorgänger, der beispielsweise bei den „Fine Positive Features“, einer Platte mit neun schlanken Spitzen, enttäuschende Ergebnisse lieferte. Der ebenfalls neue Extruder, der im Gegensatz zur Witbox 1 auch flexibles Filament verarbeitet, scheint einen recht positiven Einfluss auf die Druckqualität zu haben. Wie beim ersten Mal hette die Witbox etwas Probleme mit Fäden am Druckobjekt, diese sollten sich jedoch durch Optimieren der Retract-Einstellungen im Druckprofil abstellen lassen.

Insgesamt ist die neue Witbox 2 ein echter Fortschritt: bq hat die Schwachpunkte der ersten Generation konsequent ausgemerzt und mit dem Bedleveling ein modernes Feature hinzugefügt, das den Alltag mit dem Drucker vereinfacht. So zeigen sich die Vorteile der Witbox – sehr solider mechanischer Aufbau, Zuverlässigkeit und offene Technologie – noch positiver als bei der ersten Version. Dass der Preis mit 1.699 Euro gleich geblieben ist, wird die zukünftigen Besitzer freuen.


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